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Walter Netterscheid
Moto-Cross auf höchstem Niveau

Netterscheids Team


Team Netterscheid 1991 in Rudersberg /v.l.n.r.): Edgar Bihler, Siegfried Schellhorn, Günter Heppe, Lothar Jehle,
Walter Netterscheid, Friedhelm Zabel
Foto: Axel Koenigsbeck©

Seitenwagen-Moto-Cross ist nichts für Einzelgänger

Im vorhergehenden Kapitel war schon die Rede von den Beifahrern, und zwar ausschließlich bezogen auf den Fahrbetrieb. Aus der Team-Perspektive stellen Fahrer und Beifahrer die kleinst mögliche Einheit im Gespann-Motorrad-Sport dar. Auch bei Walter Netterscheid fing das einmal so an, als aus wirtschaftlichen Erwägungen der Beifahrer nicht nur seinen Beitrag im Boot leisten sollte, sondern auch finanziell zum Erwerb und Unterhalt des Gespanns mitsorgen musste. Natürlich ist es sehr viel vorteilhafter, wenn das Unternehmen Moto-Cross-Team nicht nur auf den Schultern einiger Weniger lastet und von vielen Mitgliedern mit vergleichbarer Kompetenz, Begeisterung, Mitverantwortung und Idealismus getragen wird, mit der mindestens der Fahrer am Gasgriff dreht. Moto-Cross-Fahren auf dem Erfolgsniveau, auf dem sich Walter Netterscheid über viele Jahre aufhielt, ist ohne die Unterstützung durch ein hervorragend funktionierendes mehrköpfiges Team gar nicht möglich. Die unterschiedlichen Funktionen waren stets auf mehrere hochqualifizierte Teammitglieder verteilt, sodass Fahrer und Beifahrer, die beim eigentlichen Rennen ja im Mittelpunkt standen, sich um so mehr auf ihre Fahrkünste konzentrieren konnten.


1992 Netterscheid/Jehle mit Mechanikern Heppe und Schellhorn unmittelbar vor der Startaufstellung

Der Fahrer spielt eine zentrale Rolle

Natürlich nimmt der Fahrer des Gespann-Teams immer eine hervorragende Rolle ein. Zwar kann der ohne seinen Beifahrer auf der Strecke gar nichts erreichen, er dreht jedoch sowohl am Gas als auch an der Lenkstange und hat damit den komplexeren und entscheidenderen Teil auf dem Weg zu Sieg in den Händen. Deshalb ist der Name des Fahrers eines „Sidecar-Teams“ in der Regel der erster Namesgeber, sowohl bei der allgemeinen Teambezeichnung als auch beim Benennen von Fahrer und Beifahrer. In den meisten Fällen sorgt der Fahrer auch für die Unterbringung, Transport und Wartung des Gespanns und organisiert die technischen Verbesserungen. Er ist in besonderer Weise auch Entscheidungsträger.

Ob und wie sich ein hochwertiges Team bildet, ist immer individuell von sehr unterschiedlichen Faktoren abhängig. Diese lassen sich drei Gruppen zuordnen:

  • fahrerische Qualitäten und bisherige Erfolge

  • verfügbare finanzielle Mittel bzw. Budget

  • Sympathie des Fahrers, Clubfreunde

Walter Netterscheids starke Faktoren lagen zweifellos in seinen hohen fahrerischen Qualitäten und die seiner ruhigen sympathischen Art, die es ihm erleichterte, viele Freunde und Helfer vom Mitmachen zu überzeugen. Der am schwierigsten zu erfüllende Faktor war stets, die finanziellen Mittel für diesen Sport aufzubringen.


Ohne Beifahrer ist eine Renngespann nicht fahrbar


Der Fahrer spielt im Team eine besondere Rolle, und zwar nicht nur, weil er den Gasgriff in seiner Hand hat und den Lenker führt


Für das Publikum stehen nur die Fahrer im Mittelpunkt

Angelika Netterscheid - Lebenspartnerin
sorgte für Leib, Seele und Büro

Den wohl wichtigsten Menschen in seinem Leben lernte Walter Netterscheid schon sehr früh in seiner Moto-Cross-Laufbahn kennen. Er machte hier ganze Sachen, überzeugte Angelika von seiner Person, zu der auch seine außerordentliche Leidenschaft fürs Moto-Cross-Fahren gehörte und schloss mit ihr 1975 den „Bund fürs Leben“.

Angelika Netterscheid wusste 1975 auf wen und was sie sich einließ und trug die Moto-Cross-Leidenschaft ihres Mannes all die Jahre mit. Bis auf acht Monate 1985, als ihr Sohn Patrick geboren wurde, hatte sie Ihren Mann auf jedes Rennen begleitet und umsorgte ihn dabei mit derselben großen Hingabe wie auch zu Hause.

Während ihr Mann Walter sich zu Hause um die Vorbereitung des Motorrads kümmerte, erledigte Angelika seit dem Wechsel vom DAMCV zur OMK den „Papierkram“: „Das war regelmäßig das Anfordern von Ausschreibungen, die Abgabe der Nennung fürs Gespann mit allerlei möglichen Unterlagen. Dann mussten die Nennungsbestätigungen abgewartet und geprüft werden. Aufwendiger waren die mitunter erforderlichen Fahrten zu den Botschaften, um die Visa für die Einreise der Teammitglieder ins osteuropäischen Ausland zu bekommen. Oder die vielen Telefonate mit den einzelnen Veranstaltern, Sponsoren und Teammitgliedern wegen unterschiedlichster Dinge“.

Im Fahrerlager lag ihr das leibliche Wohl aller Teammitglieder am Herzen. Auch das musste geplant und vorbereitet sein, denn der Platz im Transporter war begrenzt. Dementsprechend packte sie die benötigten Küchenutensilien und Lebensmittel fürs komplette Team ein. Sie hatte auch Tausende Kleinigkeiten im Kopf, an die außer ihr kaum jemand dachte bzw. an die die anderen erst dann dachten, wenn es zu spät war, wie etwa ob genügend Heftpflaster im Verbandskasten war oder das liebe Toilettenpapier.


Bei einem Showrennen in Euenheim 1995 war Angelika Netterscheid natürlich auch dabei, aber der Stress der früheren Jahre war da schon abgelegt

Wenn es bei den Fahrern im Rennen mal nicht so gut gelaufen war, dann wusste Angelika auch immer ganz genau, wie sie sich zu verhalten hatte. „Immer erst warten, bis die Fahrer ihre Helme abgelegt hatten, denn die konnten auch schon mal durch die Luft fliegen“. Die Phase der Anteilnahme an der Enttäuschung und ggf. an dem Ärger und der Frustration kam erst immer danach.

Auch gab es sehr lustige Ereignisse, etwa wie während des Essens im Wohnwagen der auf einmal umkippte: Es war an einem eigentlich ganz normalen Rennwochenende, an dem Angelika dem Team verkündet hatte, dass es dieses Mal kein Fleisch gebe, nur Erbsensuppe mit Würstchen.

Dabei fand das gemeinsame Teamessen bei schlechter Wetterlage immer im Wohnwagen statt. Der war jedoch an dem Wochenende trotz Angelikas Bitten von Walter mit den eigens dafür vorhandenen Stützen nicht standfest gemacht worden. Walter Netterscheid hielt das einfach nicht für erforderlich.
Das Team hatte zum Essen schon komplett im Wohnwagen Platz genommen, der letzte, der sich mit einem Teller Suppe und Würstchen einen Platz in der Ecke des Wohnwagens aufsuchte war Friedhelm Zabel. In dem Moment, in dem der sich dort hinsetzte, hatte der Wohnwagen offenbar durch Zabels gewichtige Rolle ein Übergewicht bekommen und kippte um. Jeder fand sodann seine Erbsensuppe auf der Hose wieder statt im Teller. Ein weitergehender Schaden war zum Glück daraus nicht entstanden.

Ohne die großartige Beteiligung seiner Frau am Moto-Cross-Team hätte Walter Netterscheid seinen Sport nicht mit der Intensität ausüben können, die ihm seine großen Erfolge ermöglichte. Sie war eine sehr wichtige Partnerin auch in seinem motorsportlichen Lebensabschnitt.


Ordnung ist auch im Fahrerlager wichtig


Angelika Netterscheid 1977 in Roggendorf. Über 18 Jahre hinweg begleitete sie ihren Mann bei fast jedem Rennen. Das war keine Selbstverständlichkeit


Angelika Netterscheid war die wichtigste Person im Hintergrund von Walter Netterscheids Moto-Cross-Aktivitäten


Entfernen der Kampfausrüstung nach dem Rennen


Hochsitz mit Blick auf den Rennverlauf

Die Beifahrer

Den Beifahrern ist schon eine eigene Untergeschichte gewidmet. Nur der guten Ordnung halber sind diese hier nochmals mit aufgeführt.

Beim Klicken auf das Foto kann die Geschichte über die Beifahrer aufgerufen werden.


Die Beifahrer wurden schon im letzten
Kapitel vorgestellt

Die Mechaniker


Hubert Overkamp -
vom Anfang bis zum Ende dabei

Walter Netterscheids erster Beifahrer war auch zugleich sein erster Mechaniker, der als solcher während Netterscheids aktiver Laufbahn ständig zur Verfügung stand. Auch beim letzten Rennen war er als offizieller Mechaniker dabei. Als KFZ-Elektriker erschloss sich ihm über den Willen zum Rennerfolg die Motorradtechnik schneller als vielen anderen. Overkamp erinnert sich noch an die Zeit, als die Handbohrmaschine in einen Heimwerkerbohrständer von Wolfkraft eingespannt war, und er damit in seiner Garage Löcher in die Bremsscheibe des Vorderrades bohrte.

„Am Montag nach dem Rennen und auch an den folgenden Feierabenden war der Hubert immer dabei, wenn es darum ging, das Gespann zu reinigen und wieder für das nächste Rennen fit zu machen“, berichtet Walter Netterscheid. „Oft genug fuhr der Hubert auch für mich in die Eifel und besorgte beim Otto Hermeling in Freilingen oder beim Hermann Walgenbach in Trier benötigte Ersatzteile. Sehr vorteilhaft war, dass der Hubert und ich im selben Ort wohnen".


1987 in Euskirchen


Hubert Overkamp mit Günter Heppe als Mechaniker 1986


Hubert Overkamp holt „Gras fürs Gespann“. Der weiche Boden wurde mit Gras abgedeckt, damit es nicht zu matschig im Zelt wurde

Günter Euskirchen -
der Motorenzauberer

... war Jahrgang 1952, lebte in Mechernich und war gelernter Automechaniker. In den 1970er Jahren fuhr Günter Euskirchen selbst Gespann-Moto-Cross mit seinem Bruder Hans-Josef als Beifahrer. Die Freundschaft zwischen Günter Euskirchen und Walter Netterscheid entwickelte sich über die gemeinsame Clubmitgliedschaft im MSC Roggendorf. Bei einem nationalen DAMCV-Rennen 1976 in Kleinhau, das als Rahmenrennen zu einem IMBA-Lauf veranstaltet wurde, gewannen Netterscheid/Overkamp und die Gebrüder Euskirchen belegten unmittelbar dahinter den zweiten Platz in einem beträchtlichen Fahrerfeld. Für Günter Euskirchen war dieses ein besonderer Erfolg, denn der war wegen seiner großen Körperfülle als Motorradrennfahrer sehr gehandikapt. So war es wohl seine außerordentliche Begeisterung für den Moto-Cross-Sport, die ihn trotz dieses Handikaps zur Teilnahme an den Rennen veranlasste.

Günter Euskirchen war jedoch eine begnadeter Motorenmechaniker und Tuner, der als solcher beim Renneinsatz stets mit Feuereifer dabei war. „Den Günter konnte man mit einem in alle seine Teile zerlegten Motor, den der noch nie zuvor gesehen hatte, in einem Raum einschließen: Wenn man dann nach drei Stunden den Raum wieder aufschloss war der Motor zusammengebaut und lief“, beschreibt Walter Netterscheid Euskirchens Mechaniker-Qualitäten und lobt im nächsten Satz Euskirchens Improvisationstalent: „Wenn bei einer Notreparatur im Fahrerlager eigentlich notwendige Ersatzteile oder Werkzeuge nicht zu bekommen waren, dann war der Euskirchen noch lange nicht am Ende“, wie etwa 1979 beim Moto-Cross in Dom Esch.

Euskirchen sorgte auch für das Motortuning. Netterscheids auf 1.000 ccm gebrachter Yamaha XS 650 Motor war außerordentlich zuverlässig und so leistungsstark, dass er 1980 sogar den aktuellen Weltmeister Reinhard Böhler damit verblüffte, weil dessen Motor offenbar nicht die Leistung von Netterscheids Motor erreichte. Hubert Overkamp erinnert sich: „Der Reinhard konnte danach im Fahrerlager mal einen demontierten Zylinderkopf anschauen und war begeistert. Günter Euskirchen musste anschließend zum Zabel und dem eine Serie von Zylinderköpfen in der selben Art und Weise zurecht machen. Ich musste dagegen im Fahrerlager aufpassen, dass der Reinhard (Böhler) mir den demontierten Zylinderkopf nicht einfach abschleppte".
Wegen seiner außerordentlichen Mechaniker-Qualitäten war Günter Euskirchen in der Szene eine bekannte und geschätzte Persönlichkeit.

Vom Sport zur Völkerverständigung
Für die Völkerverständigung leistete Günter Euskirchen bei einem internationalen Rennen in Frankreich einmal einen besonderen Beitrag. Das Team war am Samstag in aller Frühe zum Veranstaltungsort aufgebrochen, wo es am späten Nachmittag eintraf, sich eine Stunde später mit seinem eignen Lager im Fahrerlager so weit eingerichtet hatte, dass für den nachfolgenden Rennsonntag nichts mehr vorzubereiten war.

Die Teammitglieder machten sich deshalb alle gemeinsam zu Fuß auf, in den angrenzenden Ort, wo an dem Tag große französische Kirmes war, ähnlich so, wie man sie auch in Deutschland die Großkirmes jener Jahre kannte. Günter Heppe ging dort zielstrebig zu einem Faustschlagmessgerät, das neben einer Schießbude stand. Zum Messen der persönlichen Schlagkraft der Faust hatte das Gerät ein Lederkissen, das den Schlag aufnahm. Solche Geräte kannte man auch von den Rummelplätzen in Deutschland. Neben den nüchternen Zahlen, wieviel Kilogramm der gelandete Faustschlag bewegen konnte, waren auf der Anzeigenskala Worte in französischer Sprache zu finden, die niemand aus dem Team verstehen konnte, da ja keiner der französischen Sprache mächtig war. Vermutlich wurden mit diesen Worten aber auch gleich die Bewertungen bzw. die Titel angegeben, die das Gerät an den Zuschlagenden je nach Skalenwert vergab. In Deutschland reichten solche Bewertungen von „Schlappschwanz“ bis „Boxprofi“.
Günter Heppe warf dennoch einen Franc ein, faltete seine beiden Hände zu einer Doppelfaust zusammen und schmetterte diese mit beiden Armen und voller Kraft auf das Schlagkissen. Der Zeiger schnellte in Anbetracht von Heppes schmächtiger Gestalt auf einen unerwartet hohen sportlichen Zahlenwert.
Das kam bei bei den übrigen Teammitgliedern an und man sah sich veranlasst, nunmehr Günter Euskirchen zu bitten, seinerseits seine Schlagkraft messen zu lassen. Euskirchen wog gut und gerne an die 150 kg und mit seinem Bart und den langen Haaren gab der auch optisch stets ein respekteinflößendes Mannsbild ab. Der ließ sich nicht lange bitten. Ein Franc war schon eingeworfen. Euskirchen hob seine rechte Faust nur bis in Augenhöhe und klopfte diese relativ locker auf das Schlagkissen. Was im darauf folgenden Augenblick geschah sorgte für einige Aufmerksamkeit auf dem gesamten Kirmesplatz, denn der Zeiger war zum offenbar seltenst erreichten Anschlag geschnellt, worauf das Gerät für etwa gute 10 Sekunden einen über den ganzen Kirmesplatz laut hin jaulenden Ton von sich gab und gleichzeitig mit grell leuchtenden Lampen anzeigte, wo diese Musik spielte. Derartige Signale verfehlten ihr Wirkung auch unter den anwesenden Franzosen nicht. Sogleich war Euskirchen außer von den Teammitgliedern von zahlreichen Rummelplatzbesuchern umzingelt, vornehmlich von Jugendlichen und Kindern und schon hatte jemand von denen einen weiteren Franc eingeworfen und man bedeutete Euskirchen gestikulierend, erneute einen solchen Schlag zu landen. Das tat Euskirchen dann auch erneut mit der gleichen Lockerheit wie bei seinem ersten Schlag. Als im nächsten Moment erneut das Gerät hellleuchtend sein Gejaule begann, kommentierten alle Anwesendenden dieses mit einem brandenden Applaus. Sobald das Gejaule aufhörte, hatte schon wieder jemand einen Franc eingeworfen und die Show wiederholte sich noch mehrere Male. Am Ende hatte Euskirchens sportliche Leistung alle Sprachengrenzen durchbrochen, in der gemeinsam erlebten Freude und dem Jubel über seine sportliche Leistung hätten alle Anwesenden sich nicht besser verstehen können.

Vieleicht war dass auch die beste Vorbereitung für das Rennen am nachfolgenden Sonntag, denn Netterscheid/Overkamp gewannen alle drei zu fahrenden Rennläufe.

Leider verstarb Günter Euskirchen 1986 viel zu früh an den Folgen eines Herzinfarktes.


1976 Siegerehrung in Kleinhau. Günter Euskirchen ist der zweite von links. Zusammen mit seinem Bruder belegte er einen zweiten Platz


1979 in Dom Esch. Günter Euskirchen – nur der Rücken ist zu sehen - nimmt eine Notreparatur am Getriebe vor


Günter Euskirchen war ein begnadeter Tuner bezüglich des Motors der Yamaha XS 650


Eines der letzten Fotos von Günter Euskirchen: Mit Walter Netterscheid 1986 in Aufenau


1986 in Aufenau

Günter Heppe -
mit Präzision und gutem Werkzeug
war nichts unmöglich

Der heimliche Chef unter den Mechanikern
Günter Heppe war Jahrgang 1946, gelernter Werkzeugmacher und lebte in Euskirchen-Kleinbüllesheim. In den 1970er Jahren fuhr Heppe bei der OMK sehr erfolgreich Moto-Cross-Rennen mit Solomaschinen. Die Renntechnik und deren Optimierung faszinierte ihn stets in gleicher Weise. So hatte er sich zu Hause eine Werkstatt mit Dreh- und Fräßbank eingerichtet, was ihm Möglichkeiten bot, viele seiner Ideen auch in die Praxis umzusetzen. Seit Netterscheids Wechsel zur OMK und seiner Mitgliedschaft im MSC Euenheim – Heppe war dort ebenfalls Mitglied – machte der auch in Netterscheids Team mit. „Er war der Mechaniker, der mich ab den 1980er Jahren zu fast jedem Rennen begleitet hatte“, erinnert sich Netterscheid gerne zurück. Ohne dass es diesen Titel im Team Netterscheid gab, war Günter Heppe der eigentliche Chefmechaniker. Was er sagte wurde getan, weil seine Kompetenz bei jedem Teammitglied über jedem Zweifel erhaben war. Bevor Netterscheid mit seinem Beifahrer mit dem Gespann vom Fahrerlagerplatz aus losfuhr, hatte Heppe auch nochmals schnell alle wichtigen Dinge durchgecheckt, welche die übrigen Mechanikerkollegen erledigt hatten: Kettenspannung, Luftfilter usw.

Eigene Federbeine und Dämpfungselemente
Schon lange vor White Power und Öhlins hatte Heppe in seiner „Hobbywerkstatt“ die von Erwin Mundt ursprünglich entwickelten Federbeine weiterentwickelt, die das Fahrverhalten der Gelände- und Moto-Cross-Maschinen gegenüber allen käuflichen Federbeinen in ihrem Dämpfungsverhalten spürbar verbesserten. Einigen Freunden stellte er diese Dämpfer zur Verfügung. Auch Walter Netterscheid fuhr in den ersten Jahren diese von Heppe optimierten Federbeine und fühlte damit einen Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern. Erst als White Power in den 1980er Jahren hochqualitative Federbeine und zusätzlich einen regelmäßigen und kostenlosen Wartungsservice für ihn zur Verfügung stellte, wurden die Mundt-Heppe-Federbeine durch solche von White Power ersetzt. Die Wartung erfolgte dennoch durch Günter Heppe. Bis zum letzten Rennen tat auch ein von Günter Heppe entwickelter und gebauter Lenkungsdämpfer Dienst in Netterscheids Gespann.




Notfalls wurde nachgefertigt
Günter Heppes Mechaniker-Beiträge lassen sich jedoch nicht auf den Bau und die Wartung von Dämpfungselementen reduzieren. Feine komplizierte Mechanik war Heppes Welt. Hinzu kam seine totale Begeisterung für den Moto-Cross-Sport. „Es war überhaupt kein Problem, bei dem Günter Heppe sonntags morgens um 7:00 Uhr wegen eines zu lösenden Problems unangemeldet aufzukreuzen. Der Günter war sofort bei der Sache, und ein fehlendes Ersatzteil fertigte der notfalls in seiner Werkstatt nach“, erzählt Walter Netterscheid, „ >gibt es nicht<, gab es bei dem Günter Heppe nicht“.

Hubert Overkamp erinnert sich: „Den Günter Heppe sah man fast immer nur in seinem Monteursanzug, in anderen Klamotten sah man den sehr selten. Auch zu Hause lief der nur damit herum und er hatte auch kein Problem, damit sonntags im Restaurant „Bei Ina“ in Dom Esch essen zu gehen.


Bei der Meisterfeier 1985 hatte Günter Heppe seinen Platz unmittelbar rechts von Walter Netterscheid. Ausnahmsweise trug er hierbei mal nicht seinen Monteursanzug


Günter Heppe 1989


Günter Heppe zusammen mit Hubert Overkamp nach einem Bereitschaftseinsatz an der Strecke


Wartungsarbeiten 1988 nach einem morgendlichen Trainingslauf. Volker Wolf, Siegfried Schellhorn, Günter Heppe und Walter Netterscheid



Leider verstarb auch Günter Heppe zu früh 2003 an den Folgen einer Krebserkankung.

Siegfried Schellhorn (Siggi)

... ist etwa Jahrgang 1960, gelernter KFZ-Mechaniker, wohnte in 91614 Mönchsroth und war der Schwager von Beifahrer Jürgen Hassold. Über dieser kam „Siggi“ auch zum Team und leistete dort noch wertvolle Dienste, als Jürgen Hassold verletzungsbedingt 1989 schon nicht mehr mitfahren konnte.

Eine wichtiger Beitrag Schellhorns war auch die Tatsache, dass er nach einem für die Fahrer und noch viel mehr für den Beifahrer anstrengenden Rennen das Auto mit Beifahrer Jürgen Hassold Hunderte und mehr von Kilometern sicher bis zu ihrem Wohnort im bayerischen Mönchsroth steuerte.


Siegfried Schellhorn 1988 links im Bild

Die Rheinländer im Team Netterscheid verbinden noch heute sowohl mit dem Namen Siegfried Schellhorn als auch mit dem seines Schwagers Jürgen Hassold jeweils den Begriff „der Bayer“. Das hatte natürlich sehr viel mit der Sprache zu tun.
Walter Netterscheid und Hubert Overkamp sind noch heute davon beeindruckt, wie schnell und gründlich der „Siggi“ zur Sache kommen konnten, ganz gleich, ob es sich dabei um die Arbeit am Gespann ging oder um ein Hähnchen, das es zu verspeisen galt.




Netterscheid erinnert sich noch an den unglücklichen Umstand, dass ihm während eines Renntrainings auf der Strecke einmal das Benzin ausging. Die Mechaniker hatten das ebenfalls aus der Ferne rasch erkannt und ihnen war klar, dass ganz schnell Benzin zum Gespann an der Strecke geschafft werden musste. Benzin stand aber ausschließlich in schweren 20-Liter-Kanistern im Transport-Bus zur Verfügung. Der schmächtige Günter Heppe wäre wäre als Kettenraucher damit überfordert gewesen, in der Schnelle den schweren Kanister zu Fuß über eine so weite Strecke zu transportieren. Da sahen Netterscheid/Hassold auch schon, wie Siggi Schellhorn mit dem schweren Kanister auf der Schulter schnellen Schrittes angerannt kam, und zwar mit einem Tempo, wie es sonst wohl kaum jemandem möglich war. Kurze Zeit später konnte das Training fortgesetzt werden.


Siegfried Schellhorn 1988.


WM-Lauf 1990 in der Schweiz. Siegfried Schellhorn und Günter Heppe stehen für alle Fälle bereit, falls sich beim Start Probleme ergeben sollten


Siggi Schellhorn 1989


Schellhorn und Heppe 1992

Lutz Schmidt

... war etwa Jahrjang 1960 und wohnt in Ransbach-Baumbach Nachdem er bei den Geschwistern Weinmann geschraubt hatte, verstärkte das Team Netterscheid in den 1990er Jahren regelmäßig bis zu letzten Rennen. Vorher war Lutz Schmidt Mechaniker im Team Weinmann.

Wegen seiner äußeren Ähnlichkeit mit Walter Netterscheid meinten viele, er sei sein Bruder.


Lutz Schmidt beim letzten Rennen

Josef Netterscheid

... ist Jahrgang 1945, gelernter Kfz-Mechaniker und Walter Netterscheids Buder. Insbesondere in den schwierigen Anfagsjahren leistete Josef Netterscheid wertvolle Beiträge fürs Team, und zwar in einer Qualität, wie sie nur unter sich gut verstehenden Geschwistern möglich sind.


Josef Netterscheid 1986 bei Wartungsarbeiten am Vorderrad (links im Bild)


1986 in Goldbach beim Abbauen des Lagers


1994 beim letzten Rennen ganz links im Bild

Helfer


Agnes Overkamp

... hat sich von Ihrem Mann Hubert Overkamp für den Moto-Cross-Sport begeistern lassen.

Mit ihrem Charm und ihrem freundlichen gewinnenden Wesen begleitete sie ihren Mann und sorgte schon alleine damit für ein gutes Teamklima. Gleichzeitig übernahm sie die eine oder andere Aufgabe und machte viele der hier abgebildeten tollen Fotos.


Agnes Overkamp im Dezember 2010 bei der
Begutachtung von Fotos


1986 während einer Pause mit Tochter Iris. Ganz links im Bild Josef Netterscheid


Agnes Overkamp auf dem Gespann mit Helmut Todemann und Hubert Overkamp

Volker Wolf

... wohnte damals in Walter Netterscheids Nachbarschaft in Buschhoven und war Inhaber eines Unternehmens für den Vertrieb von Reformhausartikeln.

Moto-Cross-Sport überhaupt und der Moto-Cross-Sport seines Nachbarn im Besonderen begeisterten ihn sehr. Er begleitete das Team Netterscheid zu fast jedem Rennen, auch dann, wenn es ins Ausland ging. Sehr oft übernahm er dabei die Aufgabe, den Transporter hin und zurück zu fahren. Im Fahrerlager unterstützte er die Mechaniker bei der Wartung des Gespanns. Regelmäßig bediente er die Stoppuhr und die Anzeigetafeln bei der taktischen Informationsübermittlung während der Rennen am Streckenrand. „Teamradio“ heißt so etwas heute bei den Fernsehübertragungen von Formel1-Rennen.

Als es um Geld ging
Hubert Overkamp erinnert
sich noch sehr gut an ein internationales Rennen in Erbach, wo der Veranstalter für den ersten Platz ein Preisgeld von 1.000 DM ausgelobt hatte. Den Start gewann Ottmar Königsdorfer. Netterscheid/Overkamp folgten denen auf dem zweiten Platz rundenlang, zwar in Schlagdistanz, aber dennoch verhalten, ohne irgendwelche erkennbaren Ambitionen, die Führenden zu überholen. Diesen Umstand erkannte Volker Wolf, schrieb auf seine Anzeigentafel die Zahl "1.000" und hielt diese seinen Teamkameraden Netterscheid/Overkamp hin. „Danach gab der Walter richtig Gas und als wir in der nächsten Runde wieder an Volker vorbeikamen, hatten wir die Führungsposition, die wir bis ins Ziel beibehielten“, erzählt Hubert Overkamp heute noch lachend.


1986 in Strassbessenbach. Während der Rennen übermittelte Volker Wolf für wichtige Informationen zum Renngeschehen an Walter Netterscheid


1987 Grand Grix in Finnland, Links im Bild Volker Wolf als Mechaniker


1986 Volker Wolf bei der Helferpause

Peter Netterscheid

... ist Walter Netterscheids Bruder und gehörte zusammen mit seiner Frau Erika zu den treuesten Fans. Die beiden kümmerten sich um die Organisation der Meisterfeier in Buschhoven 1985.


1996 am Nürburgring: Walter, Josef und Peter Netterscheid

Paul Lorre

... ist Jahrgang 1953, wohnt in Euskirchen, war damals schon Walter Netterscheids Clubfreund im MSC Euenheim und ist heute der Vorsitzende dieses Clubs. In den 1970er Jahren fuhr Paul Lorre mit der Solomaschine Moto-Cross und in den späten 1980er Jahren mit dem Gespann.

Insbesondere bei den Vorbereitungen in Buschhoven machte Lorre sich gerne nützlich. In guter Erinnerung ist Netterscheid noch der Innenausbau seines Transporters, was Lorre 21 Urlaubstage kostete und was Netterscheid Freiraum gab, sich um andere wichtige Dinge zu kümmern.

Paul Lorre war viele Jahre der Vorsitzende des MSC Euenheim.
Im Sommer 2012 starb er bei einem tragischen Verkehrsunfall mit seinem Fahrrad.


Der „neue“ Transportbus wurde in sehr vielen Arbeitsstunden von Walter Netterscheid, Hubert Overkamp und Paul Lorre von Januar bis März 1992 hergerichtet

Hermann Josef Deutschbein

... ist Jahrgang 1936 und war lange Jahre im Vorstand des MSC Euenheim aktiv. Nicht nur das Deutschbein bis 2010 ein beliebter und bekannter Streckensprecher war – so moderierte er mit seiner klaren Stimme und seinem enormen Fachwissen unter anderem im In- und Ausland insgesamt 53 Weltmeisterschaftsläufe – er war auch jemand, der sein kommunikatives Talent und seine vielen Beziehungen einsetzte für seinen Sport und die jungen Menschen, die ihn begeistert betrieben.

Deutschbeins Helferdienst für das Team Netterscheid begann mit dem Grundwehrdienst von Beifahrer Hubert Overkamp und setzte sich mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für das Team fort.

2010 gab Hermann Josef Deutschbein seinen Vorsitz des MSC Euenheim an Paul Lorre ab und will künftig „als Ehrenvorsitzender selbst nicht mehr an den ganz großen Schrauben drehen“.


1986 in der Fußgängerzone in Euskirchen. Empfang der Deutschen Meister Netterscheid/Hoormann durch Euskirchens Stadtobere. Hermann Josef Deutschbein (2. v.l.) hatte das arrangiert. Neben ihm Bürgermeister Wolf Bauer (3. v.l.) und Stadtdirektor Dr. Heinrich Blaß. Anschließend durften/mussten Netterscheid/Hoormann mit ihrem Gespann demonstrativ eine Fußgängertreppe von etwa 30 Stufen befahren

Sponsoren


Stunde Null

Als Walter Netterscheid und Hubert Overkamp 1975 mit dem Gespann-Moto-Cross begannen, da waren die beiden ganz und gar und alleine ihre eigenen Sponsoren. Es gab weder Eltern noch Großeltern, die einen finanziellen Beitrag zu diesem Hobby leisten konnten oder wollten. Alles Geld für ihren Motorsport mussten sie selbst aufbringen, und zwar so gut und so viel wie das die Gehälter von Handwerksgesellen zuließen.

Zwar zahlten später nach dem Weggang von den DAMCV-Rennen die OMK-Vereine auch Preisgelder und es gab für die angereisten Kilometer etwas Benzingeld, das aber auch nur, wenn das Rennen zu Ende gefahren wurde.

Sponsoren lassen sich nur mit zunehmendem Erfolg erschließen

Erst als die beiden sich 1980 so weit etabliert hatten, dass sie mit internationaler Lizenz fuhren und regelmäßig auch im Ausland starteten, waren einzelne Unternehmen bereit, Nettetrscheid zu unterstützen. Da war sein Team schon froh, wenn kein Geld für das Motoröl ausgeben werden musste oder gar den Sturzhelm oder die Stiefel gestellt wurden. Allerdings war es mitunter auch ein schwieriges Unterfangen Sponsoren zu finden. Als Gegenleistung trugen Gespann und Kleidung die Namenszüge bzw. Werbebanner ihrer Sponsoren. Diese sind auf den hier abgebildeten Fotos durchweg gut zu erkennen. Deshalb werden diese Sponsoren nicht nochmals alle einzeln und namentlich hier aufgeführt.

Finanziell blieb das Moto-Cross-Engagement für Walter Netterscheid ein ständiges Zuschussunternehmen, und zwar auch noch in der Zeit, als er in der Weltmeisterschaftsspitze mitfuhr. Für die dort gezahlten Siegesprämien wäre in der damaligen Motorrad-Straßenweltmeisterschaft kein Kenny Roberts, kein Randy Mamola oder Marco Lucchinelli zum Start erschienen. Ein halbwegs auskömmliches Startgeld wurde nur von den Veranstaltern internationaler Rennen in Frankreich gezahlt, weshalb diese eine besondere Anziehungskraft ausübten.


Foto von der Abschlussfeier des Hauptsponsors Friedhelm Zabel: Ganz im Vordergund die beiden Pokale für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1990, dazwischen eine Tafel mit Angabe der übrigen Sponsoren. Dahinter das Meistergespann und in der letzten Reihe Beifahrer Lothar Jehle, Angelika Netterscheid und Jehles Partnerin Anja Lotspeich. Walter Netterscheid lag zu der Zeit im Krankenhaus und war so nur über eine Telefonschaltung bei der Feier dabei. Seine Frau Angelika vertrat ihn bei der Feier

Friedhelm Zabel –
„Chef“ und mehr als „nur ein Sponsor“

Die spürbarste Unterstützung war für Walter Netterscheid die durch Friedhelm Zabel und sein Unternehmen. Friedhelm Zabel, den Netterscheid auch heute noch den „Chef“ nennt und der sich anfangs noch mit Otto Hermeling gemeinsam und später alleine mit seinem Unternehmen als Zulieferer geeigneter Technik für die Moto-Cross-Gespann-Szene engagiert, hatte sich sowohl von Netterscheids Pionierleistung mit dem Zweitaktmotor als auch von dessen Gewinn der Deutschen Meisteschaft 1985 beeindrucken lassen. Er erkannte zudem das Werbepotenzial, das in Netterscheids aufgegangenem Stern steckte.

„Von 1986 bis 1994 hatte ich mein Motorrad frei, auch was den Motor anbelangt“, erinnert sich Netterscheid, „das schaffte Freiheiten sowohl für unser immer knappes Budget als auch für das Fahren, auf das ich mich dann mehr konzentrieren konnte. Zabel hatte zudem auch immer noch zwei Reservemotoren bereitgestellt und gab mir alle möglichen Ersatzteile zur Mitnahme in meinem Bus mit, ohne dass ich dafür zahlen musste. Zusätzlich hatte Netterscheid die Freiheit, den Motor Hermann Walgenbach (HEWA) aus Trier zur Optimierung zu überlassen. Dabei war es ganz gleich, ob es sich dabei um die Maico-Motoren und schließlich die Zabel-Motoren handelte. „Aber so viel brauchte man an dem Zabel-Motor gar nicht zu schrauben. Zwar meinten die Konkurrenten ständig, ich hätte bei jedem Rennen einen neuen Motor im Gespann“, lacht Netterscheid heute noch, „das war aber nicht wahr; derselbe Motor war relativ pflegeleicht und standfest. Was ich indessen sehr viel häufiger wechselte, war das Fahrwerk. Und zwar nicht etwa weil es Schaden genommen hatte, was auch hin und wieder einmal vor kam, sondern weil der „Chef“ (Friedhelm Zabel) das während des Rennens schon jemandem verkauft hatte.

Von 1991 bis 1994 war Zabel gar Walter Netterscheids Arbeitgeber. Netterscheid war dort als „Testfahrer“ bei der Fa. Zabel angestellt. Viele ordneten Netterscheid damit dem Profilager zu. Zabel hatte das gemacht um Netterscheid noch mehr Freiraum für seinen Sport zu schaffen. 1992 und 1993 konnte Netterscheid jedoch verletzungsbedingt an vielen wichtigen Meisterschaftsläufen nicht teilnehmen.

Mit der Unterstützung von Friedhelm Zabel gelangte Netterscheid auch an ein Sponsoring von Bridgestone, die ihm Moto-Cross-Reifen in ausreichender Stückzahl kostenlos zur Verfügung stellten. Deshalb wurde zu jedem Rennen mit neuen Reifen gestartet. Für den Fall eines Reifendefektes warteten im Bus stets zwei bis drei Radsätze darauf, gegebenenfalls als Ersatz montiert zu werden. Vorbei waren damit die Zustände der Anfangsjahre, in denen die bereits rund gefahrenen Reifenstollen mit einem scharfen Messer oder einer PUK-Säge wieder kantig geschnitten oder wo im Fahrerlager der Mantel mit Montiereisen und Gummihammer auf die Felge montiert werden musste, was mit eingebauten Reifenhaltern, Schlauch und bis zu 8 mm dicker Gummiwandung des Reifens unter Zeitdruck schon eine besondere Kunst war. Die Vormontage erfolgte zu Hause in aller Ruhe, dann konnte man sich am Renntag wenigstens dieses Stress ersparen.

Zabels Verdienste um den Seitenwagen-Cross und Netterscheids Erfolge

Nicht nur Walter Netterscheid, die gesamte Gespann-Cross-Szene hat Friedhelm Zabel und seiner Frau Brigitte sehr viel zu verdanken. Zabels geschäftlicher Erfolg wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht er und auch seine Frau ein persönliches Interesse an dieser Sportart gehabt hätten. Dank seiner Aktivitäten konnten sich sowohl die geförderten Fahrer als auch die eingesetzte Technik bis hin zum Zabel-Motor weiterentwickeln.
Nach seinem letzten Rennen äußerte sich Walter Netterscheid gegenüber Hans-Joachim Sterr: „... Brigitte und Friedhelm Zabel gehören einfach zum Seitenwagen-Cross. Ohne die beiden lief da in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa, gar nichts. Ohne die beiden wäre auch meine Karriere sicherlich nicht so erfolgreich gewesen. Den beiden wünsche ich in Reetz mit der Firma alles Gute“.

Hermann Walgenbach (HEWA)

... war ein begnadeter Motorentuner aus Trier, der sehr eng mit Friedhelm Zabel zusammenarbeitete. Bereits in den 1960er Jahren hatte sich Walgenbach mit seinen HEWA-Maicos in der Szene einen sehr guten Namen. Dabei war der erste Besuch von Netterscheid und Overkamp mit dem Honda Zweitaktmotor enttäuschend. Overkamp: „Wir hatten selbst vom Tuning des Zweitaktmotors zwar so unsere Vorstellungen, doch im Grunde keine Ahnung. Der Otto Walgenbach war jemand, der nicht sehr viel redete und sich eher zurückhaltend äußerte. Als der in dieser Weise auch auf unsere geäußerten hohen Erwartungen reagierte, waren wir schnell der Meinung, dass dieser Walgenbach ja auch keine Ahnung hat. Als wir später ihn und seine hohen Fähigkeiten genauer kennenlernten, waren wir selbst über uns entsetzt, dass wir bei unserem ersten Besuch so etwas über ihn denken konnten“.

Am Liebsten befasste sich Walgenbach mit Maico-Motoren. Für die Saison 1985 hatte Netterscheid auch tatsächlich einen Maico-Motor von Friedhelm Zabel erhalten mit dem sich Walgenbach sodann sehr intensiv befasste. Walgenbach setzte die Hubraumvergrößerungen in mehreren Stufen um, überarbeitete die Kanäle, entwickelte die Auspuffformen und das Ansaugsystem für die vergrößerten Motoren und last not least auch eine elektronische Zündanlage, nachdem das ursprüngliche Kröber-Teil nicht richtig funktionieren wollte. Sehr bewährt hatte sich bei Hermann Walgenbach der Leistungsprüfstand, mit dem er den Erfolg seiner Weiterentwicklungen unmittelbar messen konnte. Walgenbach war auch der entscheidende Mitentwickler des Zabel-Zweitaktmotors.

Hermann Walgenbachs Sponsoring erfolgte mittelbar über Friedhelm Zabels Firma.


1986 gratuliert Friedhelm Zabel Netterscheid/Hoormann nach deren Sieg in Inter-Rennen in Bielstein


Beim Abschlusstrunk mit Kölsch nach nach dem letzten Rennen 1994 sitzt Friedhelm Zabel rechts neben Walter Netterscheid

Inzwischen haben sich Friedhelm Zabel und seine Frau weitgehend zur Ruhe gesetzt. Das von ihm gegründete Unternehmen befindet sich heute in 14827 Wiesenburg/Mark-Reetz, firmiert unter MX Zabel-Racing mit Michael Kube als Inhaber.
Mehr dazu unter
www.zabel-racing.de


Friedhelm Zabel 1993 mit Lothar Jehle


Familienausflug“ 1993

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