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Walter Netterscheid
Moto-Cross auf höchstem Niveau

Netterscheids Beifahrer


Netterscheid/Jehle 1989. Im Team immer mitten durch den Grenzbereich Foto: Axel Koenigsbeck ©

Ein Renngespann ist ohne Beifahrer nicht fahrbar

Eigenartige Fahrtechnik
Ein Motorrad-Gespann ist schon alleine wegen seiner Asymmetrie durch dem seitlich an das Motorrad gehängten Seitenwagens alles andere als ein neutral fahrbares Fahrzeug: Beim Beschleunigen zieht es das Gespann zu der Seite hin, wo der träge Seitenwagen angebracht ist. Beim Bremsen bewirkt die Trägheit der Seitenwagenmasse bei einem ungebremsten Seitenwagen umgekehrt und das Gespann zieht zu der vom Seitenwagen abgekehrten Seite. Gespannfahrer integrieren diese Lenkkräfte des Seitenwagens in ihren Fahrstil: In Kurven, die in die vom Seitenwagenrad abgewendete Richtung verlaufen, wird regelrecht hineingebremst und bei Kurven, die in Richtung Seitenwagen verlaufen, werden früher angebremst, um in der Kurve quasi mit dem Motorrad um den angehängten Seitenwagen herumzufahren.
Bei Kurven in Richtung Seitenwagen kann das Seitenwagenrad abheben und bei Kurven in die andere Richtung ist das Seitenwagenrad entsprechend stark belastet, sodass ein erhöhtes Überschlagsrisiko besteht.


Wenn das Seitenwagenrad zum Kurvenäußeren zeigt, muss der Fahrer genau schauen, wo das Seitenwagenrad herläuft. Netterscheid/Overkamp fahren hier im Grenzbereich: Das Hinterrad ist schon ganz leicht. Wenn das Seitenwagenrad jetzt durch ein tiefes Loch führe wäre ein Überschlag die Folge

Teamarbeit
Fahrer und Beifahrer kennen nicht nur dieses Verhalten der Maschine aus dem FF, sie müssen auch einander kennen, insbesondere wie sie jeweils in den einzelnen Fahrsituationen reagieren. Um möglichst schnell fahren zu können, verlagern Fahrer und mehr noch der Beifahrer ihre Position auf dem Gespann, so-dass die maximal mögliche Geschwindigkeit genutzt werden kann. Insbesondere für den Beifahrer ergibt sich daraus eine höchst körperlich anstrengende Turnarbeit. Der Beifahrer ist wegen seiner Turnarbeiten einem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt.

Ohne Beifahrer – dieser kann während eines Rennens auch schon einmal verloren gehen - ist ein Renngespann unfahrbar. Spätestens, wenn der Fahrer zum leeren Seitenwagen hin einlenkt, kommt dieser schnell und kaum noch haltbar in die Höhe. Um einen Sturz zu vermeiden, ist der Fahrer sodann genötigt in die andere Richtung zu lenken, die aber nicht immer für ein solches Fahrmanöver geeignet ist. Beim Verlust seines Beifahrers während der Fahrt ist es je nach Fahrsituation und Streckenverlauf für den Fahrer nicht einfach, das Gespann ohne Sturz zum Stehen zu bringen.

Fällt einer aus dem Team - Fahrer oder Beifahrer – einmal für längere Zeit aus, ist es selbstverständlich, dass der verbliebene kurzfristig nach einem anderen geeigneten Partner Ausschau hält, um ggf. die Meisterschaft noch zu Ende fahren zu können.


Umgang mit der Asymmetrie: Kurs halten und anschließend Kurve fahren ist an sich schon schon eine Kunst, die der Übung bedarf


Ständig der Balance ...


... und dem optimalen Vortrieb auf der Spur


Die im Fahrerteam zu lösenden Aufgaben sind hochkomplex kräftezehrend und atemberaubend


Selten sind drei Räder gleichzeitig auf dem Boden. Netterscheid/Overkamp auf Saki Norton 1977

Hubert Overkamp

ist Jahrgang 1954, wohnt in Buschhoven und ist von Beruf Kraftfahrzeugelektiker. Er war in der Zeit von 1976 bis 1981 Walter Netterscheids Beifahrer.

Netterscheids Beifahrer der ersten Stunde
Mit dem Gespann sind die beiden schon 1969 gefahren, denn wenn immer es möglich war, setzte sich Walter Netterscheid auf den Fahrersitz von Heinz Montenarhs Renngespann und lud sich Hubert Overkamp – der wohnte in unmittelbarer Nachbarschaft zu Heinz Montenarh - als Beifahrer dazu. „Wenn der Heinz Montenarh nicht nach einer halben Stunde schon gekommen wäre und unsere Trainingsfahrt beendet hätte, dann wären wir auch noch mindestens eine Stunde länger gefahren,“, erinnert sich Overkamp lachend.


Netterscheid/Overkamp 1976 nach ihrem ersten siegreichen Rennen. Damals trauten sich die Fahrer noch, auch in einem einfachen Pullover „aufzutreten“

Die Bundeswehr zeigte sich einsichtig
Die beiden hatten sich gemeinsam die Gespannfahrerei erschlossen: Sie fuhren zunächst beim DAMCV, gewannen dort gemeinsam die Meisterschaft und wechselten schließlich zur OMK. "Schuld" daran war wohl auch etwas das langjährige Vorstandsmitglied des MSC Euenheim, Herman Josef Deutschbein, der zugleich ein beliebter und bekannter Streckenmoderator war. Hubert Overkamp musste 1977/78 seinen Grundwehrdienst leisten und es bestand die Gefahr, dass ihm eine von Buschhoven weit entfernte Kaserne in Norddeutschland als Stammeinheit zugewiesen wurde. Ein gemeinsames Trainieren und gemeinsame Rennveranstaltungen wären wegen der räumlichen Ferne von Netterscheid/Overkamp dann erheblich gestört gewesen. Von diesem Notfall hörte auch der Vorsitzende des MSC Roggendorf, Peter Rhein, der über Beziehungen zur Bundeswehr verfügte. Der sagte zu, sich um dieses Problem kümmern zu wollen.

An einem der letzten Tage der dreimonatigen Grundausbildung mussten die fertigen Rekruten antreten und bekamen von dem für das Personalwesen zuständigen Hauptfeldwebel der Kompanie sodann mitgeteilt, wohin sie denn in Kürze versetzt würden. Der las dazu aus einer Liste vor, die ihm von einer übergeordneten Dienststelle übergeben worden war. Tatsächlich wurden – entsprechend der damaligen NATO-Strategie – die meisten der Rekruten in den hohen Nord-Osten unserer Republik versetzt. Hubert Overkamp hatte zu dem Zeitpunkt auch schon mitbekommen, dass er in Norddeutschland einer Stammeinheit zugewiesen werden sollte. Als dann die Reihe an ihn kam, stutzte der Personalwesen-Mann beim Lesen in seiner langen Liste mit dem Hinweis: „Halt, hier ist ein Sondereintrag!“, murmelte etwas vor sich hin und fuhr sodann fort: „Overkamp kommt nach Kerpen. ...“. Hubert Overkamp war unter diesen Umständen mehr als nur überrascht. „Ich hatte zu der Zeit ja nur noch Probleme im Kopf: Wie komme ich nach Hause? Die langen Fahrtzeiten! Wie sollten wir trainieren? Auch sah ich den Walter abends schon alleine in seiner Garage schrauben", erinnert sich Overkamp, „und nun, der Satz >Overkamp kommt nach Kerpen<! Der hatte alle diese Probleme mit einem Schlag gelöst". Damit war für Netterscheid/ Overkamp „die Welt wieder in Ordnung“ und die Beiwagenbesetzung für die nächste Zeit gesichert. Zwar hatte Hubert Overkamp niemals bei Peter Rhein nachgefragt, aber er kann sich den „Sondereintrag“ bis heute nicht anders erklären, als dass durch dessen Einsatz die für die Versetzung des ausgebildeten Rekruten Overkamp zuständig Stelle beeinflusst wurde. Motorradsport im Gelände wurde damals schließlich auch von der Bundeswehr wertgeschätzt.

Kurze Zeit nach seiner Ankunft in seiner Stammeinheit Kerpen tauchte an seiner Dienststelle plötzlich und unerwartet der Spieß der Sanitäts-Kompanie auf und wollte Hubert Overkamp sprechen. Als Hubert den sah, erkannte er in ihm sofort den Streckensprecher der Moto-Cross-Rennen in Freilingen und Dom Esch. Der stellte sich sodann als Hermann-Josef Deutschbein vor, der sich selbst für diesen Sport begeisterte und Vorstandsmitglied in dem bekannten MSC Euenheim war.


Hermann-Josef
Deutschbein 1981

„Von da an lief alles noch viel besser: Für den Fall, dass ich am Wochenende mit Walter Netterscheid einen IMBA-Lauf in England oder der Schweiz zu fahren hatte und deshalb auch noch den Freitag vorher und den Montag danach wegen der Reiszeiten benötigte, sorge Deutschbein für die entsprechenden Freiräume. Ich weiß nicht, was der Hermann mit meinem Kompaniechef besprochen hatte, aber es lief alles ohne Probleme und das war sehr hilfreich." Über die Beziehung zu Hermann Josef Deutschbein reifte dann auch schnell der Entschluss, bald zur OMK zu wechseln und Mitglied des MSC Euenheim zu werden.

Heute noch dicke Freunde
Walter Netterscheid berichtet mir, dass „der Hubert im Beiwagen ein hervorragender Fahrtechniker“ war. Beide erzählen mir begeistert, dass ohne miteinander zu sprechen jeder vom anderen wusste, wie er sich im nächsten Moment auf der Strecke verhalten würde und dass man sich aufeinander verlassen konnte. „Dem Walter habe ich immer voll vertraut. Der wusste immer ganz genau, wo die Grenze war und ist nie mit der Brechstange um einen noch besseren Platz gefahren“, lobt Overkamp seinen ehemaligen Chauffeur. Nie ist Overkamp im Beiwagen eines anderen ein Moto-Cross-Rennen gefahren.

Als Hubert Overkamp Ende 1981 seine Beifahrertätigkeit beendete, half er Netterscheid regelmäßig bei den Wartungsarbeiten am Motorrad und fuhr als Mechaniker und Helfer mit zu den Rennen. Auch heute noch verbindet die beiden eine dicke Freundschaft.


1969 sammelten Netterscheid/Overkamp schon erste gemeinsame Erfahrungen: Wenn Heinz Montenarh mal pausieren musste, setzte Walter Netterscheid sich aufs Motorrad und Hubert Overkamp für als Beifahrer mit: „Wenn der Heinz Montenarh nicht nach einer halben Stunde schon gekommen wäre und unsere Trainingsfahrt beendet hätte, dann wären wir auch noch mindestens eine Stunde länger gefahren“


Februar 1976. Vor dem allerersten gemeinsamen Rennen überhaupt


Zehn Jahre später fuhren beide erfolgreich um den OMK-Pokal


1981 Hubert Overkamp und seine Frau Agnes hinter dem damals aktuellen gespann mit Yahama-Motor


Netterscheid/Overkamp auf dem Siegerpodest ganz oben.
Der Herr im Bundeswehr-Kampfanzug ist Hermann Josef
Deutschbein, der Streckensprecher dieser Veranstaltung
war

Erich Mies

ist Jahrgang 1953, kam aus 53945 Blankenheim-Freilingen in der Eifel und ist von Beruf Bäcker.

Mit Erich Mies zusammen nahm Netterscheid erstmals an Weltmeisterschaftsläufen teil und wurde in der internationalen Szene bekannt. Die gemeinsame Zeit fällt in die Jahre 1982 und 1983.

Erich Mies war zuvor eine kurze Zeit im Boot von Weltmeister Reinhard Böhler mitgefahren; jedoch fühlte sich Mies dort – warum auch immer – nicht so richtig wohl und nahm deshalb nach Hubert Overkamps Ausstieg gerne dessen Platz in Netterscheids Boot ein.

Mit Erich Mies konnte Walter Netterscheid seine eigene mit Hubert Overkamp gewonnene fahrerische Entwicklung fortsetzen. „Der Erich war fahrtechnisch einwandfrei und hatte eine bemerkenswerte eiserne Kondition“, erinnert sich Walter Netterscheid gerne an ihn zurück..

Ende 1983 wollte Erich Mies nach elf Jahren im Beiwagen von Moto-Cross-Gespannen zeitlich etwas kürzer treten und nur noch gelegendlich sich selbst als Moto-Cross-Solofahrer betätigen.


Netterscheid/Mies 1983 beim Grand-Prix Lauf in Frankreich



Ralf Hoormann

ist Jahrgang 1964, wohnt in 47608 Geldern, nahe der Grenze zu den Niederlanden und ist gelernter Zweirad-Mechaniker

Zu Ralf Hoormann hatte Walter Netterscheid über seinen Mechaniker Günter Euskirchen 1983 einen Kontakt gefunden. Nachdem Erich Mies nicht mehr als Beifahrer zur Verfügung stand, war es möglich, dass sich Netterscheid/Hoormann zusammen schlossen. In der Zeit war Ralf Hoormann Bundeswehrsoldat. Seine Qualitäten als Beifahrer und nicht zuletzt auch seine sportlichen Erfolge im Gespann-Moto-Cross qualifizierten ihn für die bekannte „Sportkompanie“. Für Netterscheid war dieses ideal: Die Bundeswehr sorgte mit für die Fitness seines Beifahrers und es gab auch nie Probleme mit seinem Arbeitgeber, wenn mittwochs etwa zum WM-Lauf nach Finnland gestartet werden musste, von dem man frühestens am nachfolgenden Diestag wieder zurück sein konnte. Während Walter Netterscheid als hauptberuflicher Heizungsbauer bei seinem Chef Urlaub beantragen musste, gehörten solche Aktionen für Ralf Hoormann zum regulären Dienst in der Sportkompanie.

Hoormann war auch bereit, sich mit Netterscheid zusammen auf die „Pioniertat“ mit dem Zweitaktmotor einzulassen, was ihm 1984 schon den Deutschen Vizemeistertitel und in den Folgejahren bis 1987 jeweils den Deutschen Meistertitel einbrachte. Mit Hoormann zusammen gewann Netterscheid seinen ersten WM-Lauf 1986 in San Marino.

Wegen einer Verletzung und einer nicht prognostizierbaren Genesungszeit machte Ralf Hoormann im August 1987 seinen Platz im Boot frei.

Nach seiner Genesung stieg Hoormann zunächst zu Jürgen Knübben und später als Ersatz für einen verletzten Beifahrer in das Boot des Niederländers Tom van Heugten. Danch sattelte Hoormann auf Quads um, mit denen er auf Moto-Cross-Pisten um die Deutsche Meisterschaft fuhr. Dort gehörte er stets zu den Spitzenfahrern und wurde 2009 gar Deutscher Vizemeister.

Wer das alles noch sehr viel genauer wissen will, kann das hier im Bundeswehr Sport-Magazin nachlesen.

Beruflich betreibt Ralf Hoormann heute den ehemals elterlichen Gärtnereibetrieb.


1986 DM-Lauf in Strassbessenbach


Schnelle Kurve im Drift

Jürgen Hassold

ist Jahrgang 1963, wohnt in 91614 Mönchsroth und ist Kraftfahrer von Beruf.

Zum Ende der Meisterschaft 1987 sprang Jürgen Hassold kurzfristig als Ersatz für den verletzten Ralf Hoormann ein und sicherte Netterscheid damit noch den Gewinn des dritten Deutschen Meistertitels in Folge. Aus den vorgenannten Gründen blieb Hassold auch 1988 in Netterscheids Boot.

Netterscheid spricht heute noch begeistert von Hassold, dass er mit dem auf Anhieb sehr gut im Gespann harmoniert habe. Außerdem sei „der Jürgen ein verdammt harter Kerl“ gewesen. „Der sagte einmal zu mir, wenn ich mich mit den Händen nicht mehr festhalten kann, dann nehme ich die Ellenbogen“.

Zusammen mit Hassold hatte Netterscheid 1988 seinen größten sportlichen Erfolg errungen: Neben dem vierten Titel Deutscher Meister in Folge, wurden die beiden auch noch Vizeweltmeister.

Auch in die Saison 1989 starteten Netterscheid/Hassold nach ihren Erfolgen 1988 gemeinsam. Leider zog sich Jürgen Hassold schon früh in der Saison bei einem Rennen in den Niederlanden eine Rückenverletzung zu, deren absehbar langwierige Heilung einen neuen Beifahrer für die körperlich anstrengende Turnerei im Beiwagen erforderlich machte.

Nach seiner Genesung fuhr Hassold wieder mit verschiedenen Chauffeuren im Gespann. Mit dem unvergessenen Ottmar Königsdorfer errang er 1993 in Australien gar den Titel „Internationaler Australischer Meister“.

Es kam ein Schiff gefahren
Dass Moto-Cross-Fahren ein körperlich sehr anstrengender Sport ist, wird bereits an anderer Stelle deutlich herausgestellt. In diesem Zusammenhang erinnert sich Walter Netterscheid noch gut an eine Begebenheit, die ihm Jürgen Hassold damals erzählt hatte:
Die beiden waren in Süddeutschland an einem Sonntag im Renneinsatz gewesen und hatten dabei wieder einmal Meisterschaftspunkte gesammelt. Weil Jürgen Hassold schon früh zu Hause war – von der Rennstrecke bis zu seinem Wohnort war es nicht so weit - wollte der nach dem Ende des Sonntagsfahrverbotes um 22:00 Uhr zu einer Fernfahrt mit einem Lastzug aus der Spedition seines Verwandten starten. Das tat der dann auch. Was er dann allerdings noch vor 24:00 Uhr erlebte, erzählte er Netterscheid mit den wenigen aber vielsagenden Worten: „ ... und dann kam mir auf einmal doch auf der Autobahn ein großes Schiff entgegen gefahren ...“. Diese Beobachtung hatte ihn sodann veranlasst, den nächsten Rastplatz anzufahren und vor jeglicher Weiterfahrt zuerst einmal mehrere Stunden zu schlafen.


1988 waren Netterscheid/Hassold auf Anhieb sehr erfolgreich


Irgendwo im Ausland


Bei einem DM-Lauf

Lothar Jehle

ist Jahrgang 1963, wohnt in 89155 Erbach bei Ulm und ist gelernter Landmaschinenmechaniker.

Just in der Zeit, als Jürgen Hassold 1989 zum Beginn der Saison verletzungsbedingt als Beifahrer ausfiel, hatte Lothar Jehles Stammfahrer Dietmar Schmid das gleiche Problem. So kam Jehle als Ersatz für Hassold in Netterscheids Boot. Die beiden fanden sich bald in fahrerischer Harmonie zusammen und konnten die Deutsche Meisterschaft mit dem Vizetitel und die Weltmeisterschaft mit dem 8. Platz abschließen.

In den Jahren 1990 und 1991 waren Netterscheid Jehle als eingespieltes Team sehr erfolgreich, indem jeweils die Deutsche Meisterschaft gewonnen und in der Weltmeisterschaft auf Platz 4 gefahren wurde.
Kein Wunder also, dass bei solchen Ergebnissen Walter Netterscheid nur Gutes über seine Beifahrer Lothar Jehle berichten kann.

Nach Netterscheids Beinbruch 1992 und dem damit verbundenen langfristigen Ausfall fuhr Jehle im Beiwagen von Michael Garhammer und erreichte mit diesem 1992 noch Platz 8 in der Weltmeisterschaft.
1993 und 1994 stieg Jehle wieder in das Boot seines früheren Stammfahrers Dietmar Schmid und fuhr mit diesem in der Weltmeisterschaft 1993 auf den 9. Platz und 1994 auf den 7. Platz. Nichts desto trotz stieg Jehle bei Netterscheids verletzungsbedingten wenigen Einsätzen 1992 und 1993 zwischendurch auch zu dem ins Boot und sammelte mit diesem dabei auch noch einige WM-Punkte.

Lothar Jehle betreibt heute in Erbach ein Quad und Roller-Center.


Inter-Rennen in Frankreich


Im Frühjahr 1992

Hans Georg Peppinghaus, genannt „Peppi“

ist Jahrgang 1943, wohnt in 42499 Hückeswagen.

Zunächst fuhr Hans Georg Peppinghaus Moto-Cross-Rennen mit der Solomaschine. Als sich in Deutschland jedoch die neue Rennserie des Seitenwagen-Moto-Cross herausbildetet, war er von Anbeginn an dabei, und zwar zunächst als Beifahrer und das bei den Platzierungen immer ganz weit vorne. Mit Herbert Simon als seinem Chauffeur wurde er 1972 und 1974 der OMK-Pokalsieger im Seitenwagen-Moto-Cross bzw. Deutscher Meister. 1975 fuhr er im Boot von Eugen Siegle mit und erreichten in der damaligen Europameisterschaft – eine Weltmeisterschaft gab es 1975 noch nicht – den sechsten Rang. 1977 wechselte Peppinghaus zu Reinhard Böhler und schaffte mit diesem auf Anhieb den Titel des Vize-Europameisters.

Hans Georg Peppinghaus war aber nicht nur als Beifahrer im Gespann-Cross aktiv, er pilotierte selbst auch immer wieder sein Moto-Cross-Gespann. Walter Netterscheid gab er den entscheidenden Anstoß, sein Renngespann von einem leichten Zweitaktmotor antreiben zu lassen, indem er ihn im Winter 1983/84 mit seinem von einem Einzylinder Zweitakt-Motor von Honda angetriebenen Gespann in Satzfey probefahren ließ. Hans Georg Peppinghaus gewann als Fahrer zusammen mit seinen Beifahrer Rainer Lichtentäler auf einem Wasp-Honda Zweitakt-Gespann 1984 den OMK-Pokal für Moto-Cross-Gespanne. In den Nachfolgejahren erreichte er immer wieder auch Spitzenpositionen bei internationalen Rennen. Dieses hinderte ihn jedoch nicht, ggf. bei dem einen oder anderen Spitzenfahrer selbst ins Boot zu steigen, etwa wenn der Stammbeifahrer – warum auch immer – eine gewisse Zeit lang ausfiel. So half er auch Walter Netterscheid hin und wieder aus einer Notsituation.

Bekannt war Hans Georg Peppinghaus in der Szene als ausgesprochen guter Beifahrer, der sowohl fahrtechnisch als auch von seiner Fitness her Maßstäbe setzte.

Auch heute noch ist er sportlich aktiv und nimmt regelmäßig an Triathlon- und Crossduathlon-Wettbewerben teil, die er meistens in seiner Alterklasse gewinnt.


Walter Netterscheid mit Hans Georg Peppinghaus nehmen
Aufstellung zu einem Schaurennen 1995 in Euskirchen


Der Streckensprecher Hermann Josef Deutschbein begrüßt 1995 die legendären Gespannfahrer

Volker Peppinghaus

ist Jahrgang 1969 und wohnt ebenfalls in 42499 Hückeswagen.

Der Apfel fiel hier nicht weit vom Stamm, was nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit sein muss. Volker ist der Sohn des vorgenannten Hans Georg Peppinghaus. Offenbar war sein Vater ihm ein gutes Vorbild, jedenfalls hatte Volker Peppinghaus ebenfalls seine Leidenschaft für die Moto-Cross-Gespanne entdeckt .

1993 fuhr Volker Peppinghaus als Ersatzbeifahrer bei Alois Wenninger mit, der in dem Jahr die Weltmeisterschaft mit einem fünften Platz abschloss. 1994 war er schließlich Walter Netterscheids Beifahrer bis zu dessen letztem Rennen.

1995 hatte Volker Peppinghaus einen bösen Rennunfall, bei dem er sich eine Querschnittslähmung ab dem vierten Halswirbel zuzog und seitdem schwerstbehindert auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Aber auch mit dieser Behinderung ist er nach wie vor dem Moto-Cross-Sport verbunden. Mit Unterstützung spezieller Technik - er kann nur mit Kopfbewegungen vollumfänglich einen Computer bedienen - gehört er heute zu den Mitorganisatoren des Seitenwagen-Veteranen-Cup.


1993 zwei Generationen in einem Gespann


1994 Grand-Prix-Lauf in Belgien

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