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Peter Krott:
Bewegende Monate von September 1944 bis April 1945
Kriegsflucht von Aachen nach Brenig


Karte der militärischen Operationen im Raum Hürtgenwald und Aachen vom 29. September 1944 bis 9. Dezember 1944
Autor: Eckhard Kern aus Wikipedia

Vorbemerkung

Im Herbst 2013 erhielt ich von Peter Krott aus dem heute zu Aachen gehörenden Ort Walheim eine E-Mail: Er hatte auf unserer Homepage die Geschichte vom Kriegsende 1945 in Brenig „Wie war das, als die Amerikaner kamen?“ gelesen. Es ist dieses eine Geschichte, an die er mit seiner eigenen Geschichte anknüpfen kann: Mit seiner Familie war er – Jahrgang 1929 - im September 1944 vor der auf Aachen heranrückenden West-Front geflüchtet und hatte das Kriegsende im linksrheinischen Vorgebirgsort Brenig erlebt und überlebt.

Es flüchteten ab September 1944 aus der Gegend um Aachen und der Nordeifel keineswegs nur Parteigenossen, die als Funktionäre des nationalsozialistischen Unrechtsstaates mit der Besetzung durch die Alliierten deren Gerichtsbarkeit fürchten mussten. Peter Krotts Eltern waren nicht in der „Partei“, und wie diese, hatten alle Bewohner der Region um Aachen angesichts der herannahenden Front die sehr begründete Angst um die eigene Existenz. Am Tag vor der Ankunft der Amerikaner in seinem im Süden Aachens gelegenen Heimatort Walheim, machte sich die fast komplette Bevölkerung auf die Flucht rheinwärts in Richtung Osten. Allenfalls 20 von zuvor ca. 1.600 Einwohner Walheims wollten sich zu Hause von der Front überrollen lassen. Peter Krotts Eltern und auch die übrigen Bewohner der Region befürchteten, dass sich vor den Mauern der eigentlichen Stadt Aachen die Front festsetzen würde, was Zerstörungen und höchste Lebensgefahr bedeutet hätten. Dementsprechend war es ein wahrer Flüchtlichtlingstreck, der sich an dem 11. September 1944 frühmorgens bildete, das einzige ordnende Element war der Gedanke, „nur weg von hier, und zwar in Richtung Osten!“. Der weitere Verlauf der Geschichte zeigte später, dass sich im Ort Walheim die Front nicht festgesetzt hatte. Die Kriegsschäden in Walheim hielten sich deshalb sehr in Grenzen. Dennoch war die damalige Sorge der Flüchtlinge sehr berechtigt, denn im etwa 10 km entfernten Mausbach und im 14 km entfernten Gressenich kam die Front zum Stehen und beide Orte wurden vollständig zerstört. Zum Zeitpunkt der Flucht war das aber für niemanden vorhersehbar. Auch erfuhren später die Krotts, dass die Amerikaner genau wussten, wo die „ganz alte Reichsgrenze“ zwischen Deutschland und Belgien lag, als das ostbelgischen Gebiet um Eupen und Malmedy noch nicht in das Deutsche Reich einbezogen war. Während die Belgier und Holländer unmittelbar vor der Grenze die Amerikaner noch als die Befreier begrüßten und diese sich auch so fühlten, war den Alliierten mit dem Betreten von Deutschland offenbar bewusst, dass sie jetzt erst in das eigentliche Feindesland kamen. Dementsprechend standen im Bereich dieser Grenze Schilder mit Warnhinweisen. Die Krotts hätten also Anfang September 1944 auch nach Westen zu ihren Verwandten ins belgische Raeren fliehen können, um dort eine weniger angespannte Front über sich rollen zu lassen. Aber die Klugheit aus der Zeit danach, ist bekanntlich kein wirklicher Helfer mehr.

Bemerkenswert erscheint auch, dass der Fluchtweg über Vossenack und Hürtgen führte, wo keine sechs Wochen später die wohl blutigsten Kämpfe im Westen Deutschlands noch stattfinden sollten. Die Literatur und die Informationen zu diesem Thema im Internet sind bereits sehr umfangreich; an dieser Stelle verweise ich ausdrücklich auf diese.

Außer den Krotts im Westen Deutschlands hatten Millionen von anderen Menschen ebenfalls sehr einschneidende und mitunter noch dramatischere Erfahrungen machen müssen, die ihr nachfolgendes Leben prägen sollten. Deren Geschichte und Geschichten geraten in Vergessenheit oder degenerieren zu trockenen und müden Sätzen in Geschichtsbüchern, sobald die Zeit einige Generationen fortgeschritten ist. Den persönlichen Bezug der Nachgeborenen zu lebenden Zeitzeugen, die ich selbst als Jahrgang 1956 noch in meinen Eltern und Großeltern fand, gibt es eines Tages nicht mehr.

Peter Krotts persönliche Schilderungen ermöglichen es dem Leser, sich in das von ihm Erlebte hineinzuversetzen und nachzuvollziehen. Allerdings redigierte ich stellenweise seinen in erster Linie für seine Nachkommen aufgeschrieben Bericht im Hinblick auf eine nicht zu seiner Familie gehörende Leserschaft behutsam. Einige Personennamen habe ich abgekürzt. Unmittelbare Fotodokumente der beschriebenen Ereignisse existieren leider nicht. Um die Ereignisse etwas zu illustrieren und dem Leser einen örtlichen Bezug zu ermöglichen, habe ich sowohl zeitgenössisches Bildmaterial von vergleichbaren Ereignissen als auch aktuelle Fotos eingefügt.

Ich hoffe, dass mit diesem Beitrag einmal mehr das Interesse an der Geschichte unserer Region geweckt wird. Schließlich kann ja jeder aus der Geschichte lernen, um die Welt heute und morgen noch besser mitzugestalten.

Herrn Peter Krott danke ich an dieser Stelle ausdrücklich, dass er sich mit seiner ganz persönlichen Geschichte auf dieses Projekt eingelassen hat.

Swisttal, im März 2014

Hans Peter Schneider


Peter Krott – Jahrgang 1929 - im März 2014


Der Fluchtweg der Familie Krott führte auch durch die Orte Vossenack und Hürtgen, wo einige Wochen später kein Stein mehr auf dem anderen war. Es gab es Abertausende von Toten. Die vielen Soldatenfriedhöfe entlang der B399 zeugen noch heute davon.


Die Kirche von Vossenack wird im März 2014 erneut renoviert. nachdem sie nach ihrer Zerstörung 1948 wieder neu aufgebaut worden war. Wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, ab wo das Mauerwerk nach der starken Zerstörung in den ersten Nachkriegsjahren erneuert wurde.
Beim Klicken auf das Foto startet über Youtube ein Film mit Aufnahmen der U.S.-Army bei denen die zerstörte Kirche auch kurz zu erkennen ist

Navigator durch die Geschichte


1. Flucht nach Brenig

3. Heimreise ins Ungewisse

2. Bis zum Kriegsende in Brenig

4. Wieder zu Hause

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Swisttal, im März 2014

Text: Hans Peter Schneider
Fotos: Archiv Hans Peter Schneider, Peter Krott, Wikipedia

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