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Verortung in Brenig über die weibliche Linie meiner ElternDie mütterliche Großmutter meiner Mutter hieß Josefa Kahlscheuer und war eine geborene Lux. Allgemeines Brenig ist ein typischen Vorgebirgsdorf. Der Begriff Vorgebirge bezeichnet alleine den der Osthang der Ville, jenem etwa über 50 km vom Bonner Venusberg aus bis nordwestlich von Köln in NNO-Richtung sich erstreckender Horst bzw. Höhenzug, der den Südzipfel der Niederrheinischen Bucht in die Köln-Bonner-Bucht im Osten und die Zülpich-Euskirchener Börde im Westen trennt. Bis zur Säkularisierung unter der Französischen Herrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das linksrheinische Gebiet um Köln und Bonn feudal organisiert und lag in den Händen des Kölner Kurfürsten, der sowohl weltlicher als auch geistlicher Herrscher war und seine Residenz in der Barockzeit von der freien Hansestadt Köln zunächst nach Brühl in das Schloss Augustusburg und im 18. Jahrhundert nach Bonn verlegte, in die Gebäude der heutigen Universität.
Landbesitzverhältnisse bis Ende des 18. Jahrhunderts Das Land dieser
der Zeit gehörte geschätzt zu 60 bis 70 % geistlichen
Herren bzw. Klöstern, Stiften und Abteien, die ihren Sitz
zumeist in Niederlassungen der Städte Köln und Bonn oder
in anderen größeren Orten hatten und ihr Land an
sogenannte Halfen verpachteten. Die zu zahlende Pacht war
ertragsabhängig, worauf auch der Name Halfe hinweist, der von
„Hälfte“ kommt. In den meisten Fällen war
die zu zahlende Pacht jedoch weniger als die Hälfte. Das hing
sehr von der Lage des geistlichen Hofes Art des dort möflichen
Anbaus ab. Mitunter war auch nur ein Zehntel (Zehnt) der Ernte
abzuführen. So steht in Odendorf neben der Kirche noch die
aus der damaligen Zeit stammende „Zehntscheune“, in
der die jeweiligen Pachtabgaben bis zur Abholung durch den
Verpächter gelagert wurden. Blatzheimer Hof bzw. „Luxe Hof“, im oberen Ortsteil von Brenig im ausgehenden 18. JahrhundertDieser Hof war bis zur Französischen Revolution im Eigentum der Zisterzienserinnen des Klosters Blatzheim. Im Jahre 1793, also kurz vor dem Eintreffen der französischen Revolutionstruppen im Rheinland, gehörten nach den Recherchen des Freilichtmuseums Kommern zu diesem Hof 10,44 ha Ackerland. Die Französische Revolution erreicht das Vorgebirge Die französiche revolution brachte ganz Europa einen tiefgreifenden Umbruch, Sie beendete in Frankreich die absolute Monarchie des „Sonnenkönigs“ Ludwig XVI., beseitigte das alte Ständesystem aus Klerus, Adel sowie Bauern und Bürger, begründete nach dem Jahrhunderte alten Römischen Recht moderne Menschenrechte und demokratische Werte unter dem Motto“Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Gerade von Seiten der Bürger war man auch im Rheinland den Ideen dieser Revolution gegenüber zunächst aufgeschlossen und die Geschichte des Rheinlandes wäre wohl auch anders verlaufen, wenn die Franzosen in diesem besetzten Gebiet dem gesellschaftlichen Umbruch mehr Bedeutung beigemessen hätten als dem Eintreiben von Geld zur Finanzierung ihrer weiteren Eroberungsfeldzüge. Dementsprechend wurden die Franzosen deshalb schon bald nach ihrer Ankunft weniger als Befreier denn als habgierige Besatzer wahrgenommen. Unter Napoleon Bonaparte erfolgte zu diesen Finanzierungszwecken ab 1802 der Verkauf des geistlichen Immobilienbesitzes. Als potente Käufer erwiesen sich dabei in der Regel nicht die wenigen kleinen freien Bauern, sondern die ehemaligen Pächter bzw. Halfen der zu verkaufenden geistlichen Höfe. Man brauchte eben schnell viel Geld und das war nicht von den kleinen Bauern zu bekommen. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 ging das bis dahin über Jahrhunderte hinweg im Rheinland etablierte Feudalsystem zu Ende. In den Vorgebirgsdörfern kann man übrigens die ehemals feudalen Verhältnisse auch heute noch in der dörflich gewachsenen Architektur ablesen in einem Nebeneinader der typischen Tagelöhnerhäuser und der großen als Lehen betriebenen ehemaligen in geistlichem Besitz befindlichen Höfe. Dieses
traf in Brenig konkret für den Kuniberts- bzw. späteren
Schornshof (zu St. Kunibert gehörend) zu, für den neben
der Kirche ehemals gelegenen Apostelhof (zu St. Aposteln in Köln
gehörend und bist in die 1970er Jahre von der Familie
Hubertus Kalker betrieben) wie auch für den ehemaligen Hof
der Zisterzienserinnen des Klosters zu Blatzheim. Unklare Informationen zu den eigenen Vorfahren Im Taufregister des Kirchenbuchs von St. Evergislus in Brenig, etwas anderes liegt mir bisher nicht vor, taucht der Name Lux erstmals unter dem 07. Januar 1752 auf, als ein Joés, Sohn der Eheleute Wilhelmus Liefen und Elisabeth Lux getauft wurde. Interessant sind hierbei die Taufpaten, von denen als Pate ein Joés Liefen (Joés für Johannes) und als Taufpatin eine Girdruth Schorns (Girdruth für Gertrud) dokumentiert wurden. Für Taufpaten wurden traditionell in der Regel der Familie nahestehende Personen ausgewählt. Gegenüber dem Blatzheimer Hof, Schornsberg 15, stand zu der Zeit der große zum Kloster St. Kunibert gehörende Hof, dessen Gebäude auch heute noch unter der Adresse Schornsberg 22 zu finden ist. Der Pächter bzw. Halfe dieses Hofes hieß vermutlich Schorn, wie auch die vorgenannte Taufpatin des kleinen Joés Lux. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass Familienmitglieder meiner Vorfahren mit dem Namen Lux im Bereich des oberen Schornsberges im 18. Jahrhundert bereits zu finden waren, sei es nun auf dem Kuniberts-Hof, dem Blatzheimer Hof oder auf einem der angrenzenden kleineren freien Höfe der damaligen Tagelöhner. Zu finden ist in diesem Bereich jedoch auch der Name Liebertz und einiges spricht dafür, dass ein Vorfahre mit dem Namen Liebertz zuletzt Halfe bzw. Pächter des Blatzheimer Hofes war und diesen im Sommer 1802 nach der Säkularisierung von der französischen Regierung kaufte.
Als Waisenkind von Waldorf nach Brenig, vermutlich zu VerwandtenZu Beginn des 19. Jahrhunderts lag die durchschnittliche Lebenserwartung noch unter 35 Jahren. Das lag einerseits an der hohen Säuglingssterblichkeit, an der damals noch wenig entwickelten Medizin und fehlenden Krankenversicherungen. Eine im bäuerlichen Lebensalltag nicht nicht selten vorkommende Blutvergiftung (Sepsis), Lungenentzündung, diverse Viren, Herz-Kreislauferkrankungen drückten die Lebenserwartung. Menschen, die älter als 70 Jahre wurden, waren zu der Zeit selten zu finden. Wegen der hohen Säuglingssterblichkeit brachten die Frauen im Verhältnis sehr viele Kinder zur Welt. Nicht selten findet man in den Aufzeichnungen der Kirchenbücher aber auch Ehefrauen, die 10 bis 20 Jahre jünger als ihre Ehemänner waren. Für letztere war es dann in der Regel die zweite Ehefrau, nachdem die erste schon gestorben war, nicht selten im Wochenbett nach einer schwierigen Geburt. Im Jahrhundert, das die Kunstepoche der Romantik hervorbrachte, ging es bei den Eheschließungen in der Regel alles andere als romantisch zu. Eheleute taten sich regelmäßig mehr aus zweckmäßigen Gründen zusammen, die herzliche Liebe kam oft mit der Zeit. Die Frau im Haus nahm dabei mit typischen Funktionen rund ums Haus und der Kindererziehung eine wichtige Rolle für ein gelingendes Leben im Alltag des 19.Jahrhunderts ein. Ich
selbst habe gleich mehrere Vorfahren, die vor ihrem
Erwachsenwerden zu Vollwaisen wurden. Als Waisen gelangten die beiden nach Brenig. Genaue Belege und weitergehende Informationen darüber, von wem genau sie aufgenommen und weiter erzogen wurden, sind bisher nicht gefunden worden. Auch hierzu muss ich wieder plausible Vermutungen anstellen. Diese könnte etwa wie folgt aussehen:
Fest steht jedenfalls, dass die beiden waisen Geschwister gleichfalls Geschwister Lieberz heirateten, die, falls sie nicht vom ehemaligen Blatzheimer Hof stammten zumindest in der Nachbarschaft desselben zu Hause waren. Es gab also – wie so oft in der Zeit - offenbar mehrfach verwandtschaftliche Beziehungen zu den genannten Familiennamen in Brenig und in Waldorf. Der Grund hierfür ist in den mobilen Möglichkeiten zu suchen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausschließlich auf Muskelkraft basierten und den möglichen Aktionsradius stark eingrenzten. Potenzielle Ehepartner lernten sich damals vornehmlich beim sonntäglichen Kirchgang, auf der Kirmes oder beim Schützenfest kennen.
Die Waisen hatten in Brenig Fuß gefasstWährend Johann Josef Lux auf dem Hof blieb, baute sein Bruder, der 1835 geborene Franz Jakob, in der Rücksgasse (heute Hausnummer 15) 1866, also im besten Alter von ca. 31 Jahren, einen neuen Bauernhof, der viel moderner und größer war, als der in Teilen damals schon über 200 Jahre alte ehemalige Blatzheimer Hof im Schornsberg. Es ist anzunehmen, dass die Brüder entsprechend der im Vorgebirge üblichen Realteilungssitte sich das zum ehemals elterlichen Hof gehörende Land bereits mit der Fertigstellung des Hofes in Rücksgasse teilten. 1886 wurden die Ländereien des Hofes nochmals aufgeteilt. Danach verfügte Johann Josef Lux mit seinem Hof im Schornsberg über beurkundete 5,93 ha, wovon 5,71 ha Ackerland waren und der Rest Wiese, Baum- und Gemüsegarten und Hofplatz. Seinem Bruder Franz Jakob dürfte im Rahmen der Realteilungssitte vergleichbar viel Ackerland zugewiesen wurde, das ehemals ganz zum Blatzheimer Hof gehörte.
Leben auf dem alten Lux-Hof (Blatzheimer Hof), Schornsberg 15Nach dem Umzug von Franz Jakob Lux in die Rücksgasse lebten auf dem Lux-Hof selbst nur noch Johann Josef Lux und dessen alleinstehende Töchter Anna und Katharina „Trina“ Lux. Je nach Heirat waren seine Söhne Jakob in die Breitestraße 42 und Josef nach Merten gezogen. Seine unverheiratete Tochter Elisabeth, genannt Liesa, war nach Bonn in die Poppelsdorfer Allee gezogen und war dort bis kurz vor ihrem Tod 1940 als Haushaltsgehilfin bei einem „Fräulein“ Schorn „in Anstellung“. Auf dem Lux-Hof praktizierte man wirtschaftlich ein kleinbäuerliches Dasein. Die Ernten aus dem Anbau wurden teils über eigene Marktstände in Köln und Bonn und später über „Sammelfahrer“ veräußert. Mit zunehmendem Alter und nach dem Tod von Johann Josef am 31.05.1911 wurden entsprechend der abnehmenden Schaffenskraft die Lebensverhältnisse im alten Lux-Hof immer ärmlicher. Schließlich lebten die unverheirateten Töchter Anna und Katharina vom Selbstversorger-Anbau und von Almosen bzw. Spenden von Familienangehörigen und der Nachbarschaft. Laut meiner Großmutter Maria Kahlscheuer trugen sowohl ihr Großvater Franz Jakob als auch ihre Mutter Josefa mehrmals wöchentlich Lebensmittel von deren Bauernhof in der Rücksgasse zu den alternden Geschwistern Anna und Katharina in den Lux-Hof. Auch der Neffe Jakob Lux, der einen eigenen Hof in Brenig, Breitestr. 40 bewirtschaftete, trug regelmäßig mit Spenden zum Unterhalt der alternden Tanten Geschwister Lux bei. Da die Geschwister selbständige kleine Bauern waren und es für die keine staatliche Unterstützung gab, sahen sich die weiteren Familienangehörigen in der Pflicht. Kranken- und Rentenversicherungen war bei den vielen Bauern im Vorgebirge bis in die 1970er Jahre nicht üblich bzw. nicht zu finden. So auch nicht bei Anna und Katharina Lux. Gebrechen an Gelenken und andere Leiden wurden deshalb meistens gar nicht erst ärztlich behandelt. Es fehlte dazu schlicht das Geld und bevor ein Stück Ackerland zu diesem Zweck verkauft wurde, musste das Leiden schon extrem sein, wie etwa nach einem Knochenbruch. Maria Kahlscheuers unverheirateter Onkel Josef Lux arbeitete als Knecht auf dem Bauernhof seines Vaters in der Rücksgasse. In den 1910er Jahren verunglückte der mit einer Pferdekarre auf der Zufahrt zum Schornshof als das Pferd plötzlich scheute. Dabei brach er sich ein Bein. Nachdem man den Schwerverletzten zunächst nach Hause geholt hatte, wurde er am folgenden Tag nach einer wohl sehr schmerzhaften Nacht mit einem Pferdefuhrwerk zu den Barmherzigen Brüdern (später Petrus-Krankenhaus) nach Bonn gebracht. Dort schiente man zwar den Bruch, dennoch starb er nach wenigen Tagen an einer Blutvergiftung. An rettendes Penicilin war da noch nicht zu denken. Die durchschnittliche Lebenserwartung im Vorgebirge lag um 1900 unter 70 Jahren. Die beiden Tanten starben in den 1950er Jahren, zuletzt Katharina 1958. Der Hof ging sodann an die Tochter des Bruders Jakob, also an Katharina Kohler über. Die verarmten Geschwister konnten jahrzehntelang kein Geld in die Instandhaltung des Hofes stecken. Dementsprechend war dieser heruntergekommen. Zudem konnte die alte Hofanlage von ihrem Zuschnitt her die funktionalen Ansprüche eines modernen Obst- und Gemüsehofes in mehrfacher Hinsicht nicht genügen. Deshalb kam nur noch eine Neubau an der alten Hofstelle infrage. Dieses erfolgte schließlich 1964. Zuvor wurden die Gebäude des alten Hofes vom Landschaftsverband Rheinland abgebaut, auf dem Gelände des Freilichtmuseums Kommern in einer älteren Bauausführung wieder neu aufgebaut und kann dort heute zu den Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden.
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Armut, Sozialversicherungen und Vorsorgemaßnahmen im 19. Jahrhundert im Vorgebirge Im 19. Jahrhundert
bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war das Vorgebirge durchweg
agrarisch geprägt. Auch die von Bismarck eingeführte
Sozialgesetzgebung erreichte das Vorgebirge nur bei den dort
lebenden Arbeitnehmern, die bis in die 1980er Jahre zu einem
beträchtlichen Teil Obst- und Gemüsebau im Nebenerwerb
betrieben. Man war im Vorgebirge schon immer fleißig, wenn
es um die Wohlstandssorgen ging. Es gab bis in die 1970er Jahre im Vorgebirge zweierlei Kategorien von Ärzten: Die einen versorgten die Kassenpatienten und die anderen die nicht gesetzlich krankenversicherten Bauern und Selbständigen gegen private Abrechnung. Die Bauern überlegten sich sich wegen der Kostenlast jeden Arztbesuch gründlich. Krankenhausaufenthalte, etwa nach einem Beinbruch zwangen manchen Kleinbauern zum Verkauf einer Kuh oder gar eines Stückes Ackerland. Kein Wunder also, wenn damals manche Erkrankung verschleppt wurde, manche Knochenbrüche schlecht verheilt waren, die spätere Lebensqualität bei manchen stark beeinträchtigt und die Lebenserwartung nicht besonders hoch war. Wegen der
regelmäßig fehlenden gesetzlichen Rentenversicherung
der Bauern und Selbständigen musste anderweitig Vorsorge für
die alten Tage getroffen werden. In der Regel sorgten die Kinder,
die den Hof übernahmen auch fürs Altenteil der Eltern
und dort lebenden unverheirateten Onkeln und Tanten. Die brachten
sich so weit wie möglich in die täglichen Arbeitsabläufe
ein. Die taten noch was sie konnten: die Großmütter im
Haushalt und die Großväter im Stall und auf dem
Acker. |
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Erbsitten im südlichen Rheinland Seit dem von den Franzosen unter Napoleon im Rheinland eingeführten Code Civil gilt zwar, dass das Erbe zu gleichen Teilen an die Kinder des Erblassers zu gehen hat. Davon ausgenommen bleibt das Erbrecht für Bauernhöfe. Damit soll verhindert werden, dass ein zum Erbe anstehender Hof durch die Aufteilung an mehrere Erben sich wirtschaftlich nicht mehr trägt bzw. „zerschlagen“ oder durch hohe Ausgleichszahlungen wirtschaftlich ruiniert wird. Heute ist dieses in Nordrhein-Westfalen in der sogenannten „Höfeordnung“ gesetzlich geregelt. Realteilung entlang des Vorgebirges dank intensiver Bewirtschaftung des Ackerlandes Die Verteilung
des Erbes zu gleichen Teilen an die Kinder entspricht der
Realteilung. Die Problematik hierbei ist der Umstand, dass die
Ackerflächen, die zur Erwirtschaftung des Lebensunterhaltes
zur Verfügung stehen, mit jedem Erbgang kleiner werden und
über kurz oder lang keine Lebensgrundlage mehr darstellen.
Möglich und zu finden ist diese Erbsitte abweichend von den
Anerberrechtsmöglichkeiten in der Regel dort, wo das zur
Verfügung stehende Land intensiv bewirtschaftet werden kann.
Das war im Vorgebirge mit dem praktizierten Obst- und Gemüsebau
möglich, nicht zuletzt wegen der günstigen geophysischen
Lage des Vorgebirges. Diese ergibt sich aus
dem insbesondere am Vorgebirgshang reichlich vorhandenen sehr
fruchtbaren Lösboden. Hinzu kommt die vorwiegend Westwinden
bestehende Windschattenlage des Vorgebirges, die eine klimatische
Gunst für den Obstbau des Vorgebirge darstellt, indem somit
im Frühjahr die jungen und empfindlichen Obstblüten
nicht so sehr den Spätfrösten ausgesetzt sind, wie etwa
in der auslaufen Börde zwischen Eifel und Villerücken
bei Meckenheim. Der fruchtbare Boden, das günstige Klima und
der ausgesprochene Fleiß der Vorgebirgsbewohner ermöglichten
eine extensive Bewirtschaftung der zur Verfügung stehenden
Ackerflächen. Auch in der Zeit des kurfürstlichen Feudalismus praktizierten die meisten kleinen Bauern in den Dörfern des Vorgebirges schon Realteilung. Diese konnten von ihren kleinen Ackerflächen alleine ohnehin nicht leben und verdienten sich deshalb saisonal auf den großen Bauernhöfen in geistlicher oder adeliger Hand als Tagelöhner ihren kargen Lebensunterhalt. Anerbersitte unter diesen Umständen lohnte sich für diese Kleinbauern nicht. Aber nach dem Verkauf der geistlichen Immobilien infolge der französische Revolution gelangte zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Vorgebirge frei erworbenes Ackerland aus ehemals geistlichem Eigentum überwiegend unter die Realteilung. Dennoch gab es auch im Vorgebirge durch all
diese Zeit vornehmlich unverheiratete Kinder, die zum Hoferhalt
durch verheiratete Geschwister beitrugen, indem sie selbst einem
Beruf in der Stadt „in Stellung“ (s.o. Lisa Lux) oder
als Mitarbeiter bzw. Knecht oder Magd am Hof des den Hof
übernehmenden Geschwisters mitwirkten (s.o. der später
verunglückte Josef Lux).
Anerbenrecht In unserer Region
ist diese Erbsitte dort zu finden, wo auf großen Fläche
die klassische Landwirtschaft betrieben wird, also der Anbau von
Getreide und Hackfrüchten. Dabei handelt es sich um eine
extensive Nutzung der Ackerflächen, bei der im Verhältnis
wenig Ertrag erwirtschaftet wird, wegen der großen
bewirtschafteten Fläche der Ertrag dennoch hoch sein kann.
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