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Walter Kronenberg – deutsch-deutsche Begegnungen

Quasi konspirative Treffen Partykeller

Die MZ-Leute zu DDR-Zeiten waren regelmäßig zu Besuch bei Kronenbergs. Bei den Geländesportveranstaltungen im Fahrerlager kamen die Kontakte ganz einfgach zustande. Über Jahre hinweg waren die Leute der MZ-Werksmannschaft regelmäßig und mehmals im Jahr zu Besuch bei den Kronenbergs in Rodenkirchen. „Das wurden dann immer sehr lange Nächte im Partykeller. Die DDR-Leute hatten damals alle möglichen Tricks angewendet, um diese in gewisser Weise konspirativen Treffen“ bei Kronenbergs zu ermöglichen. Wenn eine Veranstaltung etwa in Belgien, Frankreich, den Niederlanden oder in England war, dann wurde auf dem Weg dorthin die Gelegenheit zum Besuch genutzt. Die offiziellen „Aufpasser“ waren auch kein Problem, weil diese das Spiel mitmachten. Einer war auch schon einmal eigens und alleine zu Besuch bei den Kronenbergs. Er durfte nur nicht bei den Kronenbergs wohnen. Deshalb nahm er ein Zimmer in einem örtlichen Gasthof und befand sich dann die meiste Zeit doch im Partykeller der Familie Kronenberg.

„Bei der Beziehung zu den DDR-Fahrern und Teams spielte in gewisser Weise auch der Warentausch eine Rolle, denn in der DDR herrschte Knappheit an vielen wichtigen Sachen, was man sich heute nur noch schlecht vorstellen kann. Alles was nicht oder nur schlecht in der DDR zu bekommen war, wurde von den Porzern besorgt: Von Kabelbindern, Schnittmustern, dem Neckermann-Katalog bis hin zu Zahngold und Bohrer für den Zahnarzt.“ Selbst komplette Heizungen wurden heimlich mitgenommen und das Fahrzeug mit den Heizkörpern leistete sich danach auch noch einen Unfall: „Die hatten sich mitsamt den Heizkörpern überschlagen und mussten mit einem Trecker aus dem Acker herausgezogen werden. Die Fahrt des beschädigten Autos konnte anschließend mit Hängen und Würgen noch fortgesetzt werden und alles wurde gut. Im Gegenzug erhielten wir porzer Motorsportler Know-How zur MZ-Technik und hochwertige, sonst nicht zu bekommende Teile für die Wettbewerbsmaschinen. Die DDR war damals zusammen mit den bundesdeutschen Geländefahrern führend in dieser Sportart. Walter Kaaden der Rennleiter, der an den Entwicklung der Maschinen entscheidend beteiligt war, gehörte mit zu dem Personenkreis ebenso wie viele der Trophyfahrer, wie z.B. Werner Salevsky, Harald Sturm, Peter Uhlig und der Mannschaftsleiter Walter Winkler. Zu Werner Salevsky bestand gar eine sehr freundschaftliche Beziehung, leider verunglückte der 1991 bei einem tragischen Verkehrsunfall in England tödlich zusammen mit seinen drei Mitfahrern.

Walter Kronenberg konnte die guten Kontakte zu den damaligen DDR-Leuten nutzen, um seinerseits öfters in die DDR einzureisen und das MZ-Werk zu besuchen. Eines Tages erreichte ihn die Nachricht - von wem auch immer: „Walter, du darfst nicht mehr kommen. Die haben Dich im Visier. Die nehmen Dich fest und halten Dich als Druckmittel, damit die Bundesrepublik Dich einlöst.“

Kronenberg erinnert sich sehr gut daran, dass die beiden deutschen Mannschaften sich untereinander stets sehr gut verstanden hatten, wenngleich es offiziell der DDR-Mannschaft streng verboten war, mit den „BRD-Bürgern“, zu denen selbstverständlich auch die bundesdeutschen Fahrer und Betreuer gehörten, Kontakt aufzunehmen. Bei den Sixdays waren die Mannschaften deshalb stets in verschiedenen Quartieren untergebracht, also niemals im selben Hotel.

Aber in Garmisch-Partenkirchen 1969 wurde schließlich in einem Quartier gemeinsam „gefeiert“: DDR- und BRD-Bürger. Nach fortgeschrittener Stunde und reichlich Alkoholkonsum veranstalteten die DDR-Freunde mit dem Auto auf dem Parkplatz übermütige Fahrmanöver. So ging eine Rückwärtsfahrt ganz knapp an dem auf dem Parkplatz stehenden Brunnen vorbei, endete dafür jedoch an der Parkplatzmauer mit einem deutlich sichtbar beschädigten Auto. Die wahre Ursache durfte aber niemand wissen. So lautete die offizielle Meldung aus dem DDR-Lager am nächsten Tag: Die bösen Westdeutschen hätten ihnen in der Nacht das Auto kaputt gefahren und sie (DDR-Team) hätten davon nichts mitbekommen. Die Betroffenen wussten es besser. Im totalitäten System der DDR konnte jedoch nur sein, was auch sein durfte. Die Sportler selbst konnten darauf keinen Einfluss nehmen, ohne selbst erhebliche Probleme zu bekommen.

Die Begegnungen spielten sich vornehmlich im Verborgenen ab. Es wurden verständlicherweise im Keller auch keine Fotos gemacht. Den Sinn und die Notwendigkeit des Eisernen Vorhangs konnte von den Beteiligten auch schon lange vor der Wiedervereinigung niemand verstehen.


Der besagte Partykeller sieht heute noch so ähnlich aus wie in den 1970er Jahren


DDR-Trophy-Mitglied und Sieger Günter Baumann bei den Sixdays 1965 auf der britischen Insel Man mit einer MZ 300


Seltene Post aus der DDR


Vorderseite der Grußkarte


Innenseite der Grußkarte


Außer Erwin Haselbauer fuhr zeitweise auch Reiner Herbertz eine MZ auf dem Niveau der Werksmaschinen. Hier bei den Sixdays in Garmisch-Partenkirchen 1969


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Swisttal, im September 2012

Text: Hans Peter Schneider
Fotos: Archiv Walter Kronenberg und Hans Peter Schneider

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