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Hans-Peter Schiebahn – eine fast lebenslange Beziehung zu Traktoren

Hans-Peter Schiebahn ist in Walberberg groß geworden, seine Vorfahren haben dort ihre Wurzeln und seit mehr als 3 Jahrzehnten singt er dort in der Chorvereinigung im Ersten Bass. Kurzum, er ist ein richtiger Walberberger Jung.

„Wenn ich von der Arbeit komme und von der täglichen Anstrengung so richtig ausgelaugt und fertig bin, dann gehe ich zu meinem Traktor und fahre und nach spätestens 15 Minuten bin ich dann wie ein neugeborener Mensch, so gut tut mir das!“ erklärt er mir in vollem Ernst und deshalb sehr vielsagend.

Auf dem Bauernhof groß geworden

Dabei ist seine Beziehung zu alten Traktoren alles andere als eine rein hobbymäßige. 1954 geboren, hatte er in den 1960er Jahren das Leben und das Wirtschaften der für die Vorgebirge so typischen Nebenerwerbslandwirtschaft miterlebt. „Im Grunde bin ich weniger bei meinen Eltern als vielmehr bei meinen Großeltern und bei meinem Onkel groß geworden, die im selben Dorf ihren Bauernhof hatten bzw. haben“. Dieser Bauernhof sei ein Nebenerwerbsbetrieb gewesen. Opa und später auch der Onkel betrieben auf diesem Anwesen zugleich und hauptberuflich eine Getränkehandlung. „Wenn man im Vorgebirge Ackerland hatte und die Vorfahren schon Bauern waren, dann betätigte man sich selbstverständlich auch als Bauer“, so Hans-Peter. Mit ca. 10 Morgen (ca. 2,5 ha) war die Ackerfläche für einen Nebenerwerbsbauern in Vorgebirge schon relativ groß. Nur mit der Kraft der eigenen Muskeln war diese Fläche nicht zu bewirtschaften. „Opa hatte deshalb ganz früher schon immer ein Pferd, und zwar ein solches, das sehr vielseitig einsetzbar war, sowohl vor dem Wagen als auch vor sämtlichen Ackergeräten“. Als Kind saß Hans Peter deshalb sehr oft und gerne auf dem Rücken dieses Pferdes.




Hans-Peter auf dem Pferd seines Großvaters und mit seinen Großeltern Johann und Katharina Meschenich um 1960.
Bis 1966 musste dieses Pferd sämtliche Schlepparbeiten verrichten. Dann wurde es durch einen Traktor ersetzt.

Mehr zur Motorisierung der Vorgebirgslandwirtschaft

Überhaupt war im Hof der Großeltern immer viel los, genau was ihn faszinierte: zuerst das Pferd, dann der Lastwagen, mit denen die Getränke transportiert wurden und schließlich der Traktor, der 1966 das Pferd ablöste. Sein Onkel Willi hatte in jenem Jahr einen Fahr D 180 H, Baujahr 1958 gebraucht gekauft. Mit seinen 24 PS, die der Zweizylindermotor entwickelte, fuhr dieser Fahr damals im Vorgebirge sozusagen schon in der Oberliga; die Mehrzahl der Schlepper war damals noch kleiner. „Es sind die robuste solide Technik, der urige Motorlauf und die enorme Zugkraft, die mich schon in jungen Jahren an Traktoren faszinierte!“ schwärmt Hans-Peter und so, wie er es sagt, weiß man sofort, dass Traktoren auch heute für ihn noch nichts von dieser Faszination verloren haben. Dabei hatte ihn die „enorme Zugkraft“ schon einmal fast ganz schnell das Leben gekostet, als er vor einigen Jahren mit besagtem Fahr und einer kräftigen Kette eine Baumwurzel ausziehen wollte: „Statt die Wurzel auszuziehen, stieg der Traktor vorne blitzschnell in die Höhe und bis ich schließlich das Kupplungspedal getreten hatte, stand er schon senkrecht. Einen Augenblick später hätte ich drunter gelegen“, berichtet Hans-Peter von dem nachhaltigen Erlebnis.


Hans-Peter mit dem von ihm und seinem Onkel Willi mit viel Liebe gepflegten Traktor im Frühjahr 2006. Der Lack ist noch der erste aus dem Jahre 1958.

Mit 12 Jahren schon Traktorfahrer

Schon in dem Jahr 1966, als sein Onkel den Fahr gerade gekauft hatte, lernte er als Zwölfjähriger darauf auch schon das Traktorfahren. Sein Onkel brachte dieses dem begeisterten Jungen nicht ohne Eigennutz bei, denn mit einiger Regelmäßigkeit musste Hans-Peter fortan bei unterschiedlichen Feldarbeiten den Traktor fahren, während sein Onkel im Schlepp eines der Ackergeräte bediente. „In den ersten Jahren war vor allen Dingen das Kuppeln ein Problem, weil die Kupplung beim Fahr nicht nach schräg unten sondern neben dem Fahrersitz senkrecht nach unten getreten werden musste. So konnte ich mit meinen 12 Jahren nur kuppeln wenn ich aufstand und mein ganzes Gewicht von damals vielleicht gerade einmal 35 kg wirksam auf das Pedal brachte.

 



Eine besonders hohe Kunst beim Ziehen der Pflanzensetzmaschine war die erste Reihe, die besonders gerade werden musste, damit sie sich als Orientierungslinie für die nachfolgenden Reihen eignete. Natürlich prüfte der Onkel hinten auf seiner Maschine immer wieder aufs Neue, wie der kleine Hans-Peter diese Kunst auch ausführte. „Du bist ja schon wieder zu weit nach links!“, hatte ihm der Onkel oft genug zugerufen und nicht selten kam gleichzeitig ein Knubbel Dreck geflogen, der ihn zusätzlich an den geraden Kurs erinnern sollte.


Der Fahr im Karnevalsornat beim Umzug.
Gesteuert wird er von Freund Markus Zimmermann.

Der Fahr seines Onkels hatte Hans-Peter zeit seines Lebens begleitet. Selbstverständlich diente er ihm in seinen Junggesellenjahren dazu, den Maibaum in der „Mainacht“ zum Hause seiner Angebeteten zu transportieren. Später zog er mit Regelmäßigkeit den Karnevalswagen der Chorvereinigung im Walberberger Umzug. Bei der Gelegenheit bekam er schon öfters den satz zu höhren: „ ... konns du net noch ene älere Trekke nemme?“, was Hans-Peter als Kompliment auffasste, eben ganz als Rheinländer.

Heute Hobby und Erinnerungspflege

Auch wenn Hans-Peter den Fahr regelmäßig benutzt und der Onkel die landwirtschaftliche Produktion schon lange eingestellt hat, so gehört der Fahr doch immer noch seinem Onkel. Als ich Hans-Peter zum Hof des Onkels begleite, um mir die Traktoren zeigen zu lassen, ist der Fahr, obwohl er überdacht im Trocknen steht, dennoch mit einer Decke abgedeckt. „Das ist mein Onkel“, sagt Hans Peter, „der lässt den Traktor nicht einfach so hier stehen“. Tatsächlich steht der Fahr noch im ersten Lack da, zwar mit Altersspuren, aber die können ja auch ein Zeichen von Würde sein. Mir wird in dem Moment klar, dass es hier wohl eine Dreiecksbeziehung ist, zwischen dem Fahr und Hans-Peter und seinem Onkel Willi. Beide hatten in den letzten Jahren schon an zahlreichen Oldtimer-Schlepper-Veranstaltungen der Umgebung mit dem Fahr teilgenommen.

Zu seinem 50. Geburtstag hatte Hans-Peter beschlossen, sich einen eigenen Traktor zu leisten. Einen 11 PS Deutz hatte er unmittelbar vor einem Kauf seinem Freund Markus Zimmermann überlassen, doch der hatte schon kurze Zeit später einen 18 PS Deutz mit Zweizylindermotor aus dem Jahre 1956 aufgetan, den Hans Peter kurzentschlossen kaufte. Dieser Schlepper war bis dahin in Mechernich-Satzvey im Einsatz. Aus diesem Grund ist er auch mit einem Mähbalken ausgerüstet, der für die Viehwirtschaft der Eifel so typisch ist, ganz und gar untypisch jedoch für den Gartenbau des Vorgebirges. „Aber der Mähbalken bleibt dran“, meinte Hans-Peter, denn schließlich gehöre der ja zur Geschichte dieses Traktors.




Hans-Peter dort wo er sich wohlfühlt. Der Deutz war bis 2004 in Satzfey im Einsatz, wo auch regelmäßig der Mähbalken genutzt wurde.


Links Freund Markus Zimmermann mit seinem 11 PS Deutz, in der Mitte Hans Peter mit seinem 18 PS Deutz und ganz rechts Onkel Willi Meschenich mit dem 24 PS Fahr aus dem Jahre 1958, mit dem 1966 die bis heute andauernde Beziehung begann.









Außer der Teilnahme an diversen Veranstaltungen benutzten Hans-Peter und sei Onkel die beiden Traktoren heute auch regelmäßig für die Pflege der immer noch umfangreichen Gartenflächen und zum „Holzholen im Wald“.



Text: Hans Peter Schneider
Fotos: Hans Peter Schiebahn und Hans Peter Schneider

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